Anemone – Windröschen, Anemone

(Pflanzenfamilie: Ranunculaceae – Hahnenfußgewächse)

Anemone sylvestris – Großes Windröschen
Anemone sylvestris

Die botanische Einteilung der Gattung Anemone ist so kompliziert, dass selbst ich mich als Gärtner davor drücke, mich intensiver damit zu befassen: Die Arten werden in Gruppen zusammengefasst, die Gruppen wiederum in Unter­sektionen und – wenn’s pressiert – diese auch noch in Serien. Ich habe mich nicht bloß einmal gefragt, wozu solch ein Aufwand und die daraus gewonnenen Erkenntnisse (welche?) gut sein sollen. Mir ist eine quicklebendige unbekannte Pflanze im Garten oder in der Natur lieber als die vertrockneten Bestandteile einer exakt bestimmten im Herbarium.

Ganz wollte ich die Finger von den reizvollen Mitgliedern der Gattung Anemone aber trotzdem nicht lassen. Deshalb habe ich mir drei Arten (aus bald 200, ohne Sorten und Hybriden) ausgesucht und damit mein Ziel nahezu erreicht: Vom frühen Frühjahr bis zum Herbst blüht fast immer irgendwo eine Anemone. Lediglich zu Beginn des Sommers herrscht eine Flaute: Anemone sylvestris blüht nicht mehr und verbreitet bereits ihre Samen, die Herbst-Anemone hat das Ruder noch nicht übernommen.



Anemone 'Honorine Jobert' – Herbst-Anemone

Bis ich die etabliert hatte, das hat gedauert. Was den Standort und die Bodenverhältnisse anbelangt, ist 'Honorine Jobert' schon eine kleine Diva. Ist diese Hürde erst einmal genommen, wird man sie aber nicht mehr missen wollen.

Anemone 'Honorine Jobert' – Herbst-Anemone Die Herbst-Anemonen (Gruppe der Gehölz­randarten) benötigen frischen, humosen Boden – bitte nicht zu lehmhaltig (damit hatte 'Honorine Jobert' sicher ein Problem in meinem Garten). Mit trockenen Perioden arrangieren sie sich, in sehr trockenen Jahren muss ich allerdings damit rechnen, dass die Wuchshöhe nicht mehr als 40-50 cm beträgt.

Die Anwachsphase kann bei Herbst-Anemonen durchaus zwei Jahre dauern. In dieser Zeit muss man sie ein bisschen hätscheln und für leichten Winterschutz sorgen, dann wird alles gut. Pflanzen und verpflanzen sollten Sie diesen Typ spätestens im Sommer (besser im Frühling), damit er am neuen Platz vor dem Winter noch Fuß fassen kann. Nach dem Umpflanzen bzw. Ausgraben am alten Standort im Boden verbliebene Wurzelstücke treiben übrigens in der Regel wieder aus. Vielleicht sollte man deshalb besser von Vermehren statt von Verpflanzen sprechen.

Anemone 'Honorine Jobert' – Herbst-Anemone Bei den Herbst-Anemonen, zu denen die Arten A. hupehensis, A. tomentosa und A. vitifolia zählen, sind die Zuordnungen und die Namensgebung der Sorten nicht ganz "sauber" – in den Stauden­gärtnereien nicht und noch nicht einmal bei den Botanikern. So soll ein Elternteil von 'Honorine Jobert' selbst eine Sorte gewesen sein, nämlich 'Elegans'. Die wiederum soll die "Urhybride" der in den 1850er Jahren in England aufgetauchten (und sogar mal mit Anemone x hybridum benamten) Kreuzung zwischen A. hupehensis var. japonica und A. vitifolia sein.

Die botanischen Bezeichnungen Anemone hupenensis var. japonica 'Honorine Jobert' und – noch öfter zu finden – Anemone japonica 'Honorine Jobert' wären demnach falsch (Anemone japonica 'Honorine Jobert' schon gleich zweimal, weil es japonica nur als Varietät, nicht aber als eigenständige Art gibt).

Anemone 'Honorine Jobert' – Herbst-Anemone, Austrieb Anemone 'Honorine Jobert' – Austrieb

Im Prinzip ist die exakte botanische Be­zeichnung einer Sorte für Hobby­gärtner uninter­essant, solange der Sortenname der richtige für die angebotene Pflanze ist. Ich bezeichne die Sorte 'Honorine Jobert' deshalb hier ganz neutral als Hybride, denn das ist das Einzige, das gesichert ist: 'Honorine Jobert' ist eine Kreuzung.

Noch ein Letztes: 'Honorine Jobert' wurde ob ihrer guten Winterhärte zur Züchtung weiterer weißer Anemonen-Sorten auserkoren. Wie viel die heute als 'Honorine Jobert' angebotenen Stauden aber tatsächlich noch mit der ursprünglichen 'Honorine Jobert' und ihren Eigenschaften zu tun haben, ist fraglich. Die auf meinen Fotos gezeigten Pflanzen schließe ich da nicht aus.

Anemone 'Honorine Jobert' – Herbst-Anemone

Wuchshöhe: 80-110 cm
Blütenfarbe: weiß
Blütezeit: August, September, Oktober
Lichtverhältnisse: halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung: Insektenmagnet
Hinweis: sehr alte, unentbehrliche Sorte


Anemone nemorosa – Busch-Windröschen

Anemone 'Honorine Jobert'
Anemone nemorosa
Anemone sylvestris

Im Sommer macht es sich unser Busch-Windröschen einfach: Es zieht nach der Blüte (März, April, Mai) komplett ein und braucht sich damit nicht darum zu kümmern, wie es sein Laub am geschicktesten über die heißeste und trockenste Jahreszeit rettet. Ganz schön clever!

Anemone nemorosa – Busch-Windröschen Wenn eine heimische Pflanze als weit verbreitet und nicht vom Aussterben bedroht bezeichnet werden kann, dann Anemone nemorosa (Gruppe der Waldarten). Ihre größeren und kleineren Bestände sind deutschlandweit verbreitet und das wird vermutlich auch so bleiben, weil das Busch-Windröschen außer absoluter Trockenheit und ständiger Nässe so ziemlich alles an Standorten toleriert, was ihm geboten wird. Für den Arterhalt und die weitere Verbreitung sorgen kriechende Rhizomwurzeln und fröhliche Selbstaussaat. Wie sehr es damit die nähere und fernere Umgebung seines ursprünglichen Standortes vereinnahmt, hängt von den Rahmenbedingungen ab: In Lehmboden (wie bei mir) wird seine Wanderschaft stark gebremst und die Samen fallen auch nicht gerade auf fruchtbaren Boden (meist zu trocken).

Der optimale Boden für Anemone nemorosa ist locker, nährstoffreich und frisch (in Bezug auf die Feuchtigkeit). Dazu ein zur Zeit des Austriebs und der Blüte helles und freundliches Plätzchen, wäre ebenfalls ideal. Zwischen oder unter Gehölzen ist es perfekt für sie, denn in dieser zum Zeitpunkt ihres Austriebes oft noch "nackten", weil unbelaubten Gesellschaft bekommt sie genügend Licht, ohne sich über zu viel Sonne ärgern zu müssen.


Anemone nemorosa – Busch-Windröschen

Wuchshöhe: 15-20 cm
Blütenfarbe: weiß
Blütezeit: März, April, Mai
Lichtverhältnisse: halbschattig-schattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung: Gehölzunterpflanzung
Hinweis: zieht im Sommer ein


Anemone sylvestris – Großes Windröschen

Anemone 'Honorine Jobert'
Anemone nemorosa
Anemone sylvestris

Anemone sylvestris – Großes Windröschen Bezaubernd, ganz bezaubernd. Aber Vorsicht – Wuchergefahr! Das Große Windröschen bildet im Lauf der Jahre dichte Bestände (Teppiche), und ich bin geneigt, die oft beschriebene Verträglichkeit mit anderen Pflanzen anzuzweifeln. Wenn dem Garten eher wenig Pflege zuteilwird und sich viele Stauden deshalb nach und nach "zurückziehen", was steht am Ende immer noch? – Anemone sylvestris!

Anemone sylvestris – Samenstand
Anemone sylvestris – Samenstand

Das klingt jetzt ein wenig negativ, so ist es gar nicht gemeint. A. sylvestris ist eine robuste, anspruchs­lose Staude, die in größeren Gärten nicht fehlen sollte. Lieber einmal öfter zu Hacke und Schaufel greifen und die Nachbarschaft mit Ablegern beglücken.

Anemone sylvestris ist ebenfalls in Deutschland heimisch und wird bundesweit als gefährdete und besonders geschützte Art gelistet. Im süddeutschen Raum sieht es recht mau aus. Hier sind die Hobbygärtner gefragt, denn vielleicht büxen die einen oder anderen Großen Windröschen aus den Gärten aus und die Bestände in der Natur werden wieder mehr. Dazu könnte der reizende Fruchtschmuck von Anemone sylvestris beitragen, denn wer bringt es schon fertig, diese kuschligen Wollknäuel (Samenstände) abzuschneiden?


Anemone sylvestris – Großes Windröschen

Wuchshöhe: 40 cm
Blütenfarbe: weiß
Blütezeit: Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig
Bodenverhältnisse: trocken
Verwendung: Insektenmagnet
Hinweis: sehr wertvolle Wildstaude


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