Jeder Bär braucht einen Kratzbaum

Abelia mosanensis, der Insektenmagnet

Was macht man, wenn man einen Garten anlegen will? Genau, man sucht im Internet oder (im 20. Jahrhundert noch das Mittel der Wahl) schmökert in Gartenbüchern.

Abelia mosanensis mit Schwalbenschwanz

Bei nach Alphabet gegliederten Pflanzenportraits taucht die Abelia mosanensis natürlich gleich ganz vorne auf – und hat uns auf Anhieb gefallen im Bild und in der Beschreibung. Doch bis in den Versuchsgarten war es ein weiter Weg, denn nirgendwo schien es sie zu geben. Wenn sich meine Frau aber etwas in den Kopf setzt, gibt sie so schnell nicht auf, und so kam es, dass uns Herr Bärtels, der Autor des Buches "Das große Buch der Ziergehölze", Verlag Eugen Ulmer 1995, ISBN 3-8001-6593-7, eines Jahres Anfang August zehn bewurzlungsfähige Stecklinge von Abelia mosanensis aus dem Forstbotanischen Garten in Göttingen zusandte. Ein paar davon kamen durch und begründeten unsere "Abelia-Dynastie".

Das Interessante daran ist, dass uns eben jene Baumschule, die Abelia mosanensis zuerst in Deutschland eingeführt hatte (deren Anschrift bekamen wir zunächst von Herrn Bärtels), schrieb, Abelia mosanensis sei nicht mehr im Sortiment, weil sie sich als nicht winterhart erwiesen hätte. Das Gegenteil beweist sie seit Jahren in Keidenzell.

Abelia mosanensis – Blüte

Die Abelie sollte man besser nicht vors Schlafzimmerfenster pflanzen, denn zur Blütezeit verströmt sie einen intensiven Duft, süß und betörend. Schon der leiseste Windhauch verbreitet ihn meterweit. Ein Plätzchen neben der Terrasse wäre deshalb der ideale Standort für sie, schon allein, um das geschäftige Treiben der Insekten beim Nektarsammeln auf den Blüten gut beobachten zu können.

Schnitt und Pflege braucht Abelia mosanensis so gut wie nicht, man kann höchstens ältere Exemplare mal mit der Schere etwas in Form bringen oder alte Triebe herausschneiden. Aber bis das so weit ist, das dauert, denn die Abelie wächst recht langsam.

Abelia mosanensis – Abelie

Wuchshöhe: 180-200 cm
Blütenfarbe: weiß, rosa überhaucht
Blütezeit: Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung: Solitär; ungeschnittene Hecken
Hinweis:
Schädlinge: Blattläuse
Krankheiten: nicht bekannt


Calycanthus floridus – Echter Gewürzstrauch

Abelia mosanensis
Calycanthus floridus
Chaenomeles x superba
Clematis montana 'Wilsonii'
Holodiscus discolor
Rosa damascena
Calycanthus floridus – Echter Gewürzstrauch, Blüte

Das mit dem Duft, der den ätherischen Ölen in allen Teilen dieses Strauches bei warmem Wetter zu verdanken sein soll, ist so eine Sache: Ich finde ihn eher mäßig intensiv bis kaum wahrnehmbar. Doch das könnte an der Größe und der nach allen Seiten offenen Lage meines Grundstückes liegen. Da verziehen sich Düfte vielleicht schneller als die Nase riechen kann, wenn sie nicht extrem kräftig sind (Letzteres trifft leider auf die Biogasanlage ganz in der Nähe zu).

Der Calycanthus floridus ist auch ohne diese "Ausstrahlung" ein toller Hingucker im Garten, schon allein weil seine Blüten so ungewöhnlich sind (Farbe und Form – sie bestehen nur aus Blütenblättern, haben keine Kelchblätter). Feuchtigkeit und sogar gelegentliche kurzzeitige Überschwemmungen nimmt der Gewürzstrauch eher in Kauf als Trockenheit, zumal wenn sie länger andauert. Dann sollte man doch zur Gießkanne oder zum Gartenschlauch greifen und den Strauch gut wässern. Es muss so viel Wasser sein, dass es bis tief in den Boden gelangt, oberflächliches Besprengen bringt gar nichts.

Calycanthus floridus – Echter Gewürzstrauch, Frucht

Ansonsten braucht man sich um den sommergrünen Strauch nicht sonderlich zu kümmern – hat er einmal Fuß gefasst, wächst und gedeiht er von allein. Was will das Gärtnerherz mehr? Er neigt jedoch dazu, mit der Zeit von innen zu verkahlen und dadurch etwas ungepflegt auszusehen. Vor einem Totalausfall schützt dann seine zweite Eigenart: Er macht kurze Ausläufer und verjüngt sich damit. An idealen Standorten muss man also damit rechnen, dass der Calycanthus floridus wuchert.

Und noch eins: Seine Früchte, so liest man, sollen giftig sein. Manchmal findet sich dabei auch die Einschränkung "für Rinder und Schafe". Gut, dass der Gewürzstrauch hierzulande eher selten Früchte ausbildet, da brauchen wir uns darum nicht weiter zu kümmern. Auf den Seiten der NC State University in Raleigh, North Carolina, ist zudem veröffentlicht, dass lediglich die Samen das Gift enthalten und auch die nur schwach toxisch sind (man muss also viele davon essen, um Vergiftungserscheinungen zu zeigen). Calycanthus floridus stammt aus Nordamerika, könnte also sein, dass sich die NC State University damit auskennt!

Calycanthus floridus – Echter Gewürzstrauch

Wuchshöhe: 100-300 cm
Blütenfarbe: rotbraun
Blütezeit: Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung:
Hinweis:
Schädlinge: nicht bekannt
Krankheiten: nicht bekannt


Chaenomeles x superba, die Zierquitte oder Scheinquitte

Chaenomeles x superba – Zierquitte, Blüten

Übermäßig oft ist die Zierquitte nicht in den Gärten zu entdecken. Warum eigentlich? Vielleicht wegen ihrer etwas sparrig wirkenden Erscheinung und der langen, bei Pflegearbeiten kräftig pikenden Dornen? Dabei ist die Chaenomeles mit der frühen Blütezeit im März/April – in manchen Jahren bereits im Februar – bestens geeignet, das mitunter recht eintönige gelbe Meer an Forsythienblüten in den Hausgärten um diese Jahreszeit aufzulockern. Denn die Zierquitte gibt es in vielen Sorten mit den verschiedensten Blütenfarben: rot, orange, rosa und weiß.

Chaenomeles x superba – Zierquitte, Früchte

Der breit ausladende Wuchs lässt sich mit wenigen beherzten Schnitten gut in die gewünschten Dimensionen lenken, die Höhe ist mit etwa 1,5-2 Meter überschaubar. Die Früchte der Zierquitte sind essbar, jedermanns Sache ist die leicht bittere daraus gekochte Marmelade (Konfitüre natürlich, Marmelade darf man dazu ja nicht mehr sagen) aber sicher nicht.

Chaenomeles x superba – Zierquitte
Interessant finde ich bei der Chaenomeles, dass sie in manchen Jahren bereits im frühen Winter zu blühen beginnt, sowie nach einigen frostigen Nächten die Temperaturen wieder milder werden. Passiert in unseren Breiten ja häufiger, und das hat was, wenn im Dezember plötzlich Frühjahrsfeeling im Garten aufkommt.

Ökologische Bedeutung kommt der Scheinquitte in erster Linie als Bienenweide zu. Die frühe Blütezeit ist eben ein gefundenes Fressen für Insekten aller Art.

Chaenomeles x superba – Zierquitte, Scheinquitte

Wuchshöhe: ca. 150 cm
Blütenfarbe: rot, orange, rosa, weiß
Blütezeit: April, Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung:
Hinweis:
Schädlinge: nicht bekannt
Krankheiten: nicht bekannt


Clematis montana 'Wilsonii' – Berg-Waldrebe 'Wilsonii'

Mit ihrem Duft – ein wenig nach Schokoladenfabrik –, ihrer Blütenfülle und ihrer Wuchsfreude ist Clematis montana 'Wilsonii' eine Bereicherung für den Garten, ein echter Hingucker mit Wow-Effekt.

Clematis montana Wilsonii – Berg-Waldrebe

Die im Himalaja und in China beheimatete Berg-Waldrebe gehört zu den pflegeleichten und früh blühenden unter den strauchigen Clematis-Arten. Sie braucht keinen Schnitt, was zu stark überhängt, wird einfach umgeleitet. Ansonsten lichten wir sie im Frühjahr gelegentlich etwas aus und schneiden tote Triebe weg (die es aber nur selten gibt). Den Rosenbogen auf dem Foto beranken übrigens gerade mal zwei Pflanzen; eine links, eine rechts.

Waldreben möchten einen kühlen, beschatteten "Fuß". Deshalb ist es am einfachsten, sie mit niedrigen Stauden zu umgeben, die buschig und dicht wachsen, und damit die Clematis regelrecht abschirmen. Geranium-macrorrhizum-Sorten (Felsen- oder Balkan-Storchschnabel) und Alchemilla mollis (Weicher Frauenmantel) sind dafür gut geeignet.

Clematis montana 'Wilsonii' – Berg-Waldrebe 'Wilsonii'

Wuchshöhe: 500-1000 cm
Blütenfarbe: rot, orange, rosa, weiß
Blütezeit: Mai, Juni, Jul
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung:
Hinweis:
Schädlinge: Läuse
Krankheiten: nicht bekannt


Holodiscus discolor – Schaumspiere, Kaskadenstrauch, Scheinspiere

Obwohl er in Deutschlands Gärten leider kaum verbreitet ist, wird über den Holodiscus discolor viel verbreitet – Widersprüchliches! Von "Verträgt keine Sonne" über "Mag keinen Kalk" bis hin zu "Nur für größere Gärten geeignet".

Woher diese Erkenntnisse über die Schaumspiere stammen, kann ich nicht beurteilen. Das natürliche Vorkommen der Schaumspiere im Nordwesten der USA an Waldrändern lässt jedenfalls auf ein Bedürfnis nach Halbschatten keinen Rückschluss zu, stattdessen kann der Holodiscus im heimischen Garten Sonne ganz gut ab.

Holodiscus discolor – Schaumspiere

"Nur für größere Gärten" kann ich ebenfalls nicht bestätigen, denn um wirklich "groß" zu werden (die Wuchshöhe liegt je nach Wasserversorgung, Boden und Witterung ohnehin nur bei etwa zwei bis drei Metern) und ausladend zu werden, braucht er vermutlich Jahrzehnte. Der Strauch auf dem Foto hat gut zehn Jahre "auf dem Buckel", das ist doch auch für kleine Gärten okay, oder? Meiner Meinung nach sollte der Kaskadenstrauch nämlich gerade dort gepflanzt werden, wo es weniger Platz gibt und schnell wachsende Sträucher wie Liguster und Forsythie regelmäßig stark geschnitten oder vielleicht sogar schon nach wenigen Jahren wieder entfernt werden müssten.

Schnitt, wie gelegentlich empfohlen? Nein. Was beim Holodiscus etwas störend ist, das sind lediglich die verblühten Blütenstände, die bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag traurig und braun an den leicht übergeneigten Zweigen hängen. Wer davon das Gesamtbild des Gartens gestört sieht und deshalb nicht bis zum Neuaustrieb im Frühling (dann werden sie abgestoßen) warten möchte, kann jedoch beherzt zur Gartenschere greifen und sie Schnitt für Schnitt entfernen. Eine Fleißaufgabe.

Insgesamt ist der Holodiscus discolor ein sehr reizvoller sommergrüner kleiner Strauch, der mit seinen vielen zarten, rahmweißen Blütendolden – die irgendwann zwischen Juni und August erscheinen – ein romantisches Flair im Garten verbreitet. Er macht sich auch in einer Hecke gut und sollte unbedingt vermehrt Einzug in die Gärten halten.

Holodiscus discolor – Schaumspiere, Kaskadenstrauch, Scheinspiere

Wuchshöhe: 200 cm
Blütenfarbe: weiß
Blütezeit: Juni, Juli
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung: Hecken, Solitär
Hinweis: Blütenduft, Bienenweide
Schädlinge: keine bekannt
Krankheiten: nicht bekannt


Rosa

Kein Garten ohne Rosen, keine Rose ohne Ärger?

Abelia mosanensis
Calycanthus floridus
Chaenomeles x superba
Clematis montana 'Wilsonii'
Holodiscus discolor
Rosa damascena
Rosa damascena 'Madame Hardy' – Knospe

Irgendwie gehören Sie doch zu einem Garten, oder nicht? Bei uns eher nicht. Rosen mögen einen luftigen Stand (sich also den Wind um die Nase respektive die Blätter und Blüten wehen lassen) und keinen oftmals betontrockenen Lehmboden. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass bei uns nach und nach alle aufgegeben haben, die ich so ausprobiert habe (an fehlendem Wind dürfte es allerdings nicht gelegen haben …): 'Rose du Roi', 'Romanze', 'Sympathie', Cardinal de Richelieu' und wie sie alle geheißen haben. Gut, 'Romanze' und 'Sympathie' sind noch ansatzweise vorhanden, fallen aber jedes Mal erneut zurück, wenn sie sich gerade erholt haben.

Rosa damascena 'Madame Hardy' – Knospe

Weil mit Kindheitserinnerungen verbunden, bekam 'Schneewittchen' immer wieder schöne Plätze. Schön leider wohl nur aus unserer Sicht, 'Schneewittchen' hat gemault und uns stets nach kurzer Zeit verlassen (ohne auch nur einen einzigen vergifteten Apfel – ehrlich!).

Jetzt präsentiere ich Ihnen den Star – unseren Star – am Rosenhimmel, Trommelwirbel, hier kommt Madame Hardy:

Man sieht es den zarten Blüten nicht an, wie zäh diese Dame ist. Sie steht jetzt schon seit über 15 Jahren im Garten, wächst und gedeiht prächtig und verzückt jedes Jahr zur Blütezeit mit einem traumhaften Meer an gefüllten weißen Blüten. Besonders schön: die Harmonie mit der lindgrünen Mitte. Und natürlich auch die rosafarbenen Knospen, die etwas ganz anderes versprechen, als sie dann halten.

Ihr einziger Nachteil: Madame Hardy ist nicht remontierend, sie blüht also nur während dieser wundervollen zwei bis drei Wochen im Mai und/oder Juni.

Rosa damascena

Wuchshöhe: 200 cm
Blütenfarbe: weiß
Blütezeit: Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung: Hecken, Solitär
Hinweis: Blütenduft, Bienenweide
Schädlinge: Rosenblattlaus, Rosenkäfer, Dickmaulrüssler, Rosen-Laubzikade, Spinnmilbe, Rosenblattrollwespe, Rosenblattminiermotte, Rosengallwespe, Blattgallwespe, Rosentriebbohrer
Krankheiten: Echter Mehltau, Grauschimmel, Rosenblattfleckenkrankheit, Rosenrost, Sternrußtau, Rosentau, Rosenzweigkrebs


Dass ausgerechnet Rosen mit solch einem breit aufgestellten Portfolio an Krankheiten und Schädlingen aufwarten, liegt einzig an ihrer Beliebtheit: Rosen, Rosenkrankheiten und Rosenschädlinge sind gut erforscht. Das ist schon allein im Interesse der Züchter. Um weniger verbreitete Pflanzengattungen kümmert sich kaum einer, denn wen interessiert's?

Mein Tipp, wenn Ärgernisse auftreten: erst mal zurücklehnen, relaxen und abwarten. Das meiste regelt die Natur selbst, sofern nur einzelne Rosen im Garten stehen und es sich nicht um einen ganzen Rosengarten handelt. Wir fahren damit recht gut.


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