Nur nicht die Schau stehlen

Gillenia trifoliata mit Campanula persicifolia Gillenia trifoliata mit Campanula persicifolia

Im Mai und Juni versprüht die Gillenia trifoliata ihren ganzen Charme. Dann öffnen sich die weißen Blüten mit den purpurroten, wunderbar kontrastie­renden Blütenkelchen, die teils hoch über dem Laub an rotbraunen Stielen tanzen, teils keck aus dem Blattwerk hervorlugen. Insekten aller Art lassen sich gern darauf nieder, um Nektar zu tanken. In diesen Wochen sollten keine anderen – dominierenden – Blüten versuchen, der Dreiblattspiere die Schau zu stehlen. Zauberhafte Bilder ergeben sich allerdings mit hohen, zarten Glockenblumen (Campanula), allen voran mit der Pfirsichblättrigen Glockenblume (Campanula persicifolia). Diese Kombination wirkt leicht und verspielt, aber trotzdem nicht kitschig. Ganz besonders gut kommt die Gillenia zudem zur Geltung, wenn sie während der Blüte von niedriger wachsenden Pflanzen flankiert wird. Die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata – bis 40 cm ca.) und der Niederliegende Ehrenpreis (Veronica prostrata – bis 15 cm ca.) dürften an einem sonnigen Standort in etwa zur gleichen Zeit blühen wie die Dreiblattspiere. Nachbarschaftsstreit gibt es mit ihr kaum, sie verträgt sich mit allen gleich gut. Das ermöglicht natürlich viele weitere Pflanzenkompositionen und Beetgestaltungen.

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere, Austrieb
Gillenia trifoliata – Austrieb

Schon der rötlich-braune Austrieb dieser vielseitigen Blütenstaude ist im Frühling unverkennbar. Spätestens wenn man ihn entdeckt, wünscht man sich vor allem eines: ausreichend Niederschläge. Zwar ist die Drei­blatt­spiere ausgesprochen tolerant gegenüber Trockenheit, doch schöner und imposanter ist ihre Erscheinung mit genügend Regen während der ersten Wochen nach ihrem Neustart im Frühjahr. Es kann nicht schaden, in dieser Zeit bei länger anhaltender Trockenheit notfalls mit etwas Gieß­wasser auszuhelfen.

2009 stellte sich heraus, dass die Wuchshöhe durchaus auch mal 145 Zentimeter betragen kann.

2010: Die Gillenia-Pflanzen erreichten im Versuchsgarten Wuchshöhen von 50 bis 110 Zentimeter; völlig unterschiedlich also. Das hat sich so fortgesetzt, je nach Jahr und Standort haben wir es mit "Zwergen" oder "Riesen" zu tun, oft auch mit beiden im selben Jahr.

Hier die Aufnahmen von 2016 – deutlicher kann man den Zusammen­hang zwischen Wuchshöhe und äußeren Umständen (Wasser-, Licht- und Nährstoffversorgung) nicht zeigen:

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere

Höhe: 50 cm
Breite: 40 cm

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere

Höhe: 80 cm
Breite: 60 cm

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere

Höhe: 100 cm
Breite: 60 cm

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere

Höhe: 125 cm
Breite: 140 cm

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere

Höhe: 135 cm
Breite: 110 cm

Der passende Standort

 Gillenia trifoliata – Dreiblattspiere, Herbst Die Dreiblattspiere stammt aus Nordamerika, wo sie in lichten Wäldern wächst, und trägt dort den Namen "Bowman's Root" ("Wurzel des Bogenmannes"). Diesen Namen hat ihr die Tatsache eingebracht, dass ihre Wurzeln von den Indianern als Heilmittel genutzt wurden. Auch heute noch wird die Gillenia-Wurzel zu Heilzwecken in der Homöopathie verwendet. Der Laie sollte allerdings (ohne fachkundige Anleitung) die Finger davon lassen, da das Wirkungsspektrum von antiasthmatisch bis hin zu brechreizanregend geht.

Eine Dreiblattspiere gedeiht in jedem neutralen bis etwas im sauren Bereich liegen­den Boden, der nicht nass bis sumpfig oder extrem trocken ist. Ein Standort im tiefen Schat­ten wäre ebenfalls wenig zuträglich, ob Sonne oder Halb­schat­ten spielt hingegen keine große Rolle, so denn an vollsonnigen Plätzen eine ausreichende Wasserversorgung sichergestellt ist. Dazu passende Pflanzpartner zu finden, ist nicht schwer, zumal der Gillenia nach der Blüte mit ihrem buschigen und trotzdem "leichten" Habitus eine Vermittler­rolle zwischen verschiedenen Blütenstauden als ruhiges Element im Beet zukommt. Man kann sie deshalb ähnlich einsetzen wie Ziergräser, allerdings mit dem Vorteil, dass die Dreiblattspiere sicher horstig wächst und garantiert keine Ausläufer treibt. Für kleine(re) Gärten empfiehlt sie sich damit ebenfalls.

Eine großzügige Pflanzung in kleinen Grüppchen von drei Exemplaren oder Einzelstellung als Solitärpflanze unterstreicht ihre optische Wirkung ungemein. Sie benötigt allerdings mitunter mehrere Jahre – je nach Pflanzenqualität –, um ihre volle Schönheit zu entwickeln; für ungeduldige Gärtner ist das schon eine Herausforderung.

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere, Samen Gillenia trifoliata – Samen

Mit der Vermehrung macht es uns die Gillenia trifoliata nicht ganz so einfach wie manch andere Stauden, die einem mit Selbstaussaat im Lauf der Zeit gewaltig auf die Nerven gehen können. Dass mal ein Gillenia-Säm­ling im Garten auftaucht, kommt höchst selten vor. Das mag mit daran liegen, dass sehr junge Pflanzen, Pflänzchen in den ersten ein bis zwei Jahren also, von Schnecken angegangen werden. Natürlich besteht die Möglichkeit, Saatgut zu ernten (der Samen braucht lange zum Ausreifen), im Haus zum Keimen zu bringen (Kaltkeimer!) und vorzuziehen. Auch diese Pflanzen sind natürlich noch schneckengefährdet und sollten regelmäßig kontrolliert werden, sobald sie ins Freie kommen, aber sie sind wenigstens schon ein bisschen robuster als ganz kleine Sämlinge. Bis aus den Keimlingen ansehnliche Pflanzen werden, dauert es lange; drei bis fünf Jahre sollte man rechnen. Zu blühen beginnen Sämlinge hingegen oft schon im Jahr des Keimens, das hat an den Mini-Pflänzchen natürlich einen extrem hohen Putzigkeitsfaktor.

Gillenia trifoliata – Dreiblattspiere, Wurzeln
Gillenia trifoliata – Wurzeln

Da geht es doch schneller, die Gillenia – nur gut entwickelte und einge­wachsene Exemplare – im Frühjahr beim Austrieb per Teilung zu vermehren, wenn man nicht die Welt an neuen Pflanzen braucht. Allerdings: Das ist eine Plackerei, vor allem wenn ältere Pflanzen geteilt werden sollen. Der Wurzelstock einer Gillenia ist bockelhart, wie verholzt (die gewell­ten Wurzeln deuten übrigens nicht auf harten Boden hin, die sind bei ihr normal). Da bleibt einem nichts anderes übrig, als mit roher Gewalt und einem "scharfen" Spaten zu Werke zu gehen. Und immer darauf achten, dass jedes Teilstück wenigs­tens ein, am besten mehrere "Augen" (Triebansätze) hat. Eingepflanzt werden die abgeteilten Stücke am neuen Platz so tief, wie die Pflanze vorher im Boden war, lieber aber geringfügig tiefer. Hauptsache, nicht zu hoch! Die Pflanzen leiden unter dieser Tortur zunächst ein bisschen, erholen sich aber meistens binnen Jahresfrist, sofern nicht vergessen wird, die "Patienten" nach dem Einpflanzen regelmäßig zu gießen.

 Gillenia trifoliata – Dreiblattspiere, Blüten Stecklingsvermehrung wird in der Literatur zwar nicht erwähnt, funktioniert aber prima. Sowie die ersten Blätter voll ausgebildet sind, können vom jungen Austrieb im Frühjahr Kopfstecklinge (die Spitzen von längeren Trieben werden knapp 1 cm unterhalb eines Blattpaares abgeschnitten) oder Risslinge (kürzere Triebe werden an der Basis komplett ausgerissen) genommen werden. Nach der Blüte können Sie Teilstecklinge mit wenigstens zwei Blattpaaren nehmen, und das ist die ergiebigste Vermehrungsmethode bei der Dreiblattspiere, bei der man zudem die Blütenpracht nicht schmälert. Welche Methode Sie auch wählen, für alle drei gilt: Die Stecklinge werden in Töpfchen oder Kistchen mit Erde (möglichst unkrautfrei) gesteckt und bei etwa 20 °C gleichmäßig feucht (nicht nass!) gehalten. Achtung: Wenigstens ein Blattpaar muss beim Umtopfen oder Einpflanzen nach dem Wurzeln unter der Erdoberfläche liegen, sonst kann es passieren, dass die Pflanze im nächsten Jahr nicht mehr austreibt.

Meine Wertung: ein viel zu wenig beachtetes und verbreitetes Allroundtalent, selbst für kleine Gärten. Ganz besonders deshalb, weil die Gillenia trifoliata bei allerlei schädlichem Getier auf Desinteresse stößt. Selbst Schnecken lassen ältere Exemplare in Ruhe (den frischen Frühlingsaustrieb ebenfalls), Schutz vor ihnen brauchen lediglich ganz junge Pflanzen. Auch Krankheiten kennt sie nicht.

 Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere Gillenia trifoliata ist also immer noch so etwas wie ein Geheimtipp, eine Staude, die nicht so häufig in den Gärten und im Angebot der Gärtnereien zu finden ist. Noch seltener tritt Gillenia stipulata, die "kleine Schwester" (sie bleibt niedriger) von G. trifoliata, in Erscheinung. Das ist zu verschmerzen, weil sich die beiden sehr ähnlich sind. Worin sie sich unterscheiden? Gillenia stipulata blüht etwas weniger üppig und hat kleinere Blüten als die trifoliata. Und sie hat Nebenblätter (hat G. trifoliata auch – allerdings nicht so große) und "stipulata" bedeutet nichts anderes als "mit Nebenblätter versehen" – bei den Dreiblattspieren sitzen sie am Stammansatz des Blattstiels.

 Gillenia trifoliata – Dreiblattspiere, Herbst Im Deutschen werden die beiden "Schwestern" auf jeden Fall nach der Nördlichen (G. trifoliata) und der Südlichen (G. stipulata) Dreiblattspiere unterschieden; die Nördliche Dreiblattspiere soll dabei winterhärter sein als die Südliche, ob da was dran ist, vermag ich mangels Erfahrung nicht zu beurteilen. Die Unterteilung in Nördliche und Südliche Dreiblattspiere gibt es eigentlich auch nur, weil sich das natürliche Verbreitungsgebiet der Gillenia trifoliata bis hinauf nach Kanada erstreckt; Gillenia stipulata beschränkt sich in ihrem Nordwärtsdrang jedoch auf die USA.

Im grünen Handel ist Gillenia trifoliata übrigens auch unter dem Synonym Porteranthus trifoliatus im Umlauf. Und selbst unter dem uralten Gattungs- und Artnamen Spiraea trifoliata ist sie gelegentlich noch im Angebot. Neuerdings gibt es sogar eine Sorte: Gillenia trifoliata ‚Pink Profusion‘ mit rosa Blütenblättern. Der aparte Kontrast zwischen den strahlend weißen Blütenblättern und den dunklen, purpurroten Kelchblättern bleibt bei ihr freilich auf der Strecke. Geschmackssache halt!

Gillenia trifoliata – Nördliche Dreiblattspiere

Wuchshöhe: 50-145 cm
Blütenfarbe: weiß, purpurrote Kelche
Blütezeit: Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch-mäßig trocken
Verwendung:
Hinweis: Herbstfärbung (Indian Summer); Insektenmagnet


Zum Seitenanfang


Weitere Stauden­gattungen

Acanthus (Bärenklau)
Achillea (Schafgarbe)
Acinos (Steinquendel)
Aconitum (Eisenhut)
Aconogonon (Bergknöterich)
Agastache (Duftnessel)
Ajuga (Günsel)
Alcea (Stockrose)
Alchemilla (Frauenmantel)
Althaea (Eibisch)
Alyssum (Steinkraut)
Amsonia (Blausternbusch)
Anaphalis (Perlkörbchen)
Androsace (Mannsschild)
Anemone (Anemone)
Antennaria (Katzenpfötchen)
Anthericum (Graslilie)
Aquilegia (Akelei)
Arabis (Gänsekresse)
Aralia (Aralie)
Armeria (Grasnelke)
Artemisia (Silberraute)
Aruncus (Geißbart)
Asphodeline (Junkerlilie)
Aster (Aster)
Astilbe (Spiere)
Astrantia (Sterndolde)
Aurinia (Steinkraut)
Baptisia (Indigolupine)
Bergenia (Bergenie)
Brunnera (Kaukasus-Vergissmeinnicht)
Buglossoides (Steinsame)
Calamintha (Bergminze)
Campanula (Glockenblume)
Cephalaria (Schuppenkopf)
Chamaemelum (Teppich-Kamille)
Chrysanthemum (Chrysantheme)
Clematis (Waldrebe)
Clinopodium (Bergminze)
Coreopsis (Mädchenauge)
Cymbalaria (Zimbelkraut)
Delphinium (Rittersporn)
Dianthus (Nelke)
Dictamnus (Brennender Busch)
Digitalis (Fingerhut)
Dracocephalum (Drachenkopf)
Dryas (Silberwurz)
Echinacea (Scheinsonnenhut)
Echium (Natternkopf)
Epilobium (Weidenröschen)
Eryngium (Mannstreu)
Euphorbia (Wolfsmilch)
Eurybia (Aster)
Filipendula (Mädesüß)
Gaillardia (Kokardenblume)
Galatella (Aster)
Gaura (Prachtkerze)
Gentiana (Enzian)
Geranium (Storchschnabel)
Geum (Nelkenwurz)
Gillenia (Dreiblattspiere)
Gypsophila (Schleierkraut)
Helenium (Sonnenbraut)
Helianthemum (Sonnenröschen)
Heliopsis (Sonnenauge)
Helleborus (Christrose)
Hemerocallis (Taglilie)
Heuchera (Purpurglöckchen)
Hosta (Funkie)
Hypericum (Johanniskraut)
Hyssopus (Ysop)
Iberis (Schleifenblume)
Jasione (Sandglöckchen)
Kalimeris (Schönaster)
Kniphofia (Fackellilie)
Lavandula (Lavendel)
Leonurus (Herzgespann)
Leucanthemum (Garten-Margerite)
Liatris (Prachtscharte)
Ligularia (Goldkolben)
Linum (Lein)
Lithospermum (Steinsame)
Lupinus (Lupine)
Lychnis (Lichtnelke)
Lysimachia (Felberich)
Lythrum (Blut-Weiderich)
Malva (Malve)
Melissa (Zitronenmelisse)
Mentha (Minze)
Monarda (Indianernessel)
Nepeta (Katzenminze)
Oenothera (Nachtkerze)
Oligoneuron (Aster)
Origanum (Dost, Oregano, Majoran)
Paeonia (Pfingstrose)
Papaver (Mohn)
Penstemon (Bartfaden)
Petrorhagia (Felsennelke)
Phlomis (Brandkraut)
Phlox (Flammenblume)
Platycodon (Ballonblume)
Polemonium (Jakobsleiter)
Polygonatum (Salomonssiegel)
Primula (Primel)
Pseudofumaria (Lerchensporn)
Pulmonaria (Lungenkraut)
Pulsatilla (Kuh-/Küchenschelle)
Rudbeckia (Sonnenhut)
Ruta (Wein-Raute)
Salvia (Salbei)
Sanguisorba (Wiesenknopf)
Saponaria (Seifenkraut)
Satureja (Bohnenkraut)
Saxifraga (Steinbrech)
Scabiosa (Skabiose)
Sedum (Fetthenne)
Sempervivum (Hauswurz)
Silene (Leimkraut)
Solidago (Goldrute)
Stachys (Ziest)
Symphyotrichum (Aster)
Symphytum (Beinwell)
Tanacetum (Bunte Margerite)
Teucrium (Gamander)
Thymus (Thymian)
Tiarella (Schaumblüte)
Tradescantia (Dreimasterblume)
Trifolium (Klee)
Trollius (Trollblume)
Verbascum (Königskerze)
Verbena (Verbene)
Vernonia (Arkansas-Scheinaster)
Veronica (Ehrenpreis)
Veronicastrum (Arzneiehrenpreis)
Vinca (Immergrün)
Viola (Veilchen)
Waldsteinia (Waldsteinie)
Yucca (Palmlilie)


Nur nicht die Schau stehlen
Der passende Standort
Die Vermehrung der Dreiblattspieren
Gillenia trifoliata und Gillenia stipulata