Jasione laevis – Ausdauerndes Sandglöckchen

(Pflanzenfamilie: Campanulaceae – Glockenblumengewächse)

Jasione laevis – Ausdauerndes Sandglöckchen
Jasione laevis mit Campanula cochleariifolia (Zwerg-Glockenblume)

Ganz im Südwesten Deutschlands, im Schwarzwald und im Pfälzer Wald, soll das Ausdauernde Sandglöckchen noch in der Natur vorkommen. Die Betonung liegt auf noch, denn es ist bereits als gefährdet eingestuft, allerdings ohne Schutzstatus zu genießen (Stand April 2018).

Ein Heidegarten oder Steingarten wäre das Optimum, was Sie der Jasione laevis als Standort bieten können. Sonnige Lage und möglichst kalkarmer, am besten kalkfreier Boden wären das i-Tüpfelchen. Das Ausdauernde Sandglöckchen arrangiert sich zwar mit weniger perfekten Pflanzplätzen und nicht ganz so durchlässigen Böden ebenfalls, aber an solchen Standorten heißt es erst mal Geduld mitbringen und abwarten, ob die Ansiedelung klappt.

Jasione laevis – Ausdauerndes Sandglöckchen Jasione laevis hat es mit ihren üppigen Blüten nicht ganz leicht: Sie balancieren auf so dünnen, hohen Stängeln, dass die Frage berechtigt ist, wie das überhaupt hält. Die Antwort: Wenn’s stark regnet, gar nicht. Dann drückt es die Blütenstiele nieder, aber das widerfährt vielen anderen Pflanzen ja auch.

Die Blüten des Sandglöckchens scheinen mir einzigartig zu sein: Die blauvioletten Griffel mit weißer Narbe sind länger als die ebenfalls blauvioletten Blütenblätter und wirken in der Draufsicht wie kleine Sterne. Als wären die Blüten von einem Sternenkranz gekrönt. Wer dieses bezaubernde Bild in natura sehen möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als es mit Jasione laevis im Garten zu versuchen. Außer er wohnt im Schwarzwald; oder in der Pfalz.

Trotz seiner zierlichen Ausläufer gehört das Gewöhnliche Sandglöckchen nicht zu den platzraubenden Stauden. Dafür sorgen schon die Schnecken, die Jasione laevis über Nacht ziemlich dezimieren können. Das vorbeugende Streuen von Schneckenkorn wäre hier kein Anzeichen übertriebener Vorsorge, sondern reiner Selbstschutz (für Sie selbst und die Pflanzen). Erfolgreich gegen Schnecken verteidigte Pflanzen lassen sich dank des Zuwachses durch die kurzen Ausläufer übrigens bequem teilen und vermehren.

Jasione laevis – Ausdauerndes Sandglöckchen

Wuchshöhe: 40 cm
Blütenfarbe: blau
Blütezeit: Juni, Juli, August
Lichtverhältnisse: sonnig
Bodenverhältnisse: trocken-frisch
Verwendung: Steingarten; Schnittpflanze
Hinweis: sorgfältige Standortwahl; Insektenmagnet; Pollenlieferant für Wildbienen

Pollenlieferant für Wildbienen

Das Sandglöckchen ist ein Insektenmagnet, und wenn zum Beispiel Wildbienen darauf Platz nehmen, dann braucht's gar keinen Regen, um ihre Blütenstiele in die Knie zu zwingen. So winzig klein die vier Bienen-Arten auch sein mögen, die sich niederlassen, um sich Pollen sowie Nektar zu holen (die größte von ihnen, Ceratina chalybea – Große Keulhornbiene – misst gerade mal 7-10 mm, die anderen noch weniger), das Sandglöckchen kann sie kaum tragen.

Lasioglossum nitidulum weiblich an Verbascum chaixii 'Album'
Ein Weibchen der Glänzenden Schmalbiene sammelt Pollen an Verbascum chaixii 'Album'

Zwei dieser Bienenarten kommen wie Jasione laevis nur im Südwesten Deutschlands vor, doch zu Gesicht wird man auch dort vermutlich nur die Schwarz­glänzende Keulhornbiene (Ceratina cucurbinata, mäßig häufig) bekommen, so selten ist die andere. Weitaus größer ist die Chance, die beiden weiteren Arten – Ceratina cyanea, Gewöhnliche Keulhornbiene, und Lasioglossum nitidulum, Glänzende Schmalbiene – zu entdecken (Augen auf: beide nur ca. 6 mm groß), sie sind nämlich (noch) häufig und weit verbreitet in Deutschland und sie scheuen zudem Siedlungsbereiche nicht.

Sandglöckchen in Gärten sind für sie also durchaus interessant. Weil zwei oder drei Jasione laevis in einem Garten jedoch kein Grund für eine Biene sind, sich blicken zu lassen und in der Nähe zu nisten, könnte man der Gewöhnlichen Keulhornbiene zusätzlich Campanula rotundifolia (Rundblättrige Glockenblume), Dianthus carthusianorum (Karthäuser-Nelke), Origanum vulgare (Oregano, Dost) und Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer) anbieten; der Glänzenden Schmalbiene dagegen Aurinia saxatilis (Felsen-Steinkresse), Campanula poscharskyana (Hänge-Polster-Glockenblume), Nepeta cataria (Echte Katzenminze), Verbascum chaixii (Chaix' Königskerze) und Verbascum thapsus (Kleinblütige Königskerze) oder Salvia nemorosa (Steppen-Salbei). Beide Bienen-Arten schätzen zudem die Pollen von Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf).

Keulhornbienen nisten übrigens in selbst genagten Hohlräumen in markhaltigen Stängeln von Brombeeren (Rubus), Königskerzen (Verbascum) und anderen Pflanzen. Die Schmalbiene gräbt ihre Nester gern vertikal in Ritzen zwischen Steinen (also auch Trockenmauern), nimmt zuweilen jedoch sogar mit horizontal angelegten Hohlräumen in Balkonkästen vorlieb.

Alle vier Arten haben für Wildbienen eine erstaunlich lange Flugzeit: Je nach Witterung erscheinen Keulhornbienen im Frühjahr bis Frühsommer aus ihren Überwinterungsquartieren, die Glänzende Schmalbiene sogar schon ab Ende März/Anfang April, und sind dann unterwegs, bis es für die neue Generation Zeit wird, einzuwintern; die vorjährige Generation stirbt, wenn die Nistaktivitäten beendet sind. (Alle Angaben nach Westrich 2018.)

Dass Jasione-laevis-Pollen nicht bei mehr Wildbienen-Arten in den Nestern gefunden wurde, liegt sicher nicht zuletzt an ihrem beschränkten Verbreitungsgebiet.

Weitere Informationen über Wildbienen: Wildbienen im Stauden-Garten.



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