Tipps für den Pflanzen-Einkauf

Als Gärtner weiß ich, wovon ich rede, wenn ich sage "Augen auf beim Pflanzenkauf".

Bunte Bildchen auf den Pflanzenetiketten suggerieren uns nur allzu gern, dass der Traum vom eigenen Gartenparadies zum Greifen nah ist, die oft dürftigen Informationen zu Wuchshöhe, Standort etc. finden kaum noch Beachtung. Dabei sind gerade sie es, auf die es ankommt – so sie denn korrekt sind. Enorm wichtig ist auch die botanische Pflanzenbezeichnung, weil sich deutsche Namen jeder selbst ausdenken darf.

Staudengärtnerei

Sicher sind Sie im Facheinzelhandel wie Gärtnereien oder Baumschulen am besten aufgehoben, doch selbst dort gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn auch dort sind die Pflanzen nun mal in erster Linie eine Einnahme­quelle und keine Liebhaberei. Darauf sollten Sie also achten:

Das A und O – die Beratung

Wenn im Herbst Baumärkte, Gartencenter und sogar Supermärkte mit blühenden Gräsern locken, der Gärtner Ihres Vertrauens Sie jedoch aufs Frühjahr vertröstet, so ist das keine "Unlust", sondern Berufsehre: Viele Gräser stellen mit der Blüte nämlich das Wurzelwachstum ein und sollten dann nicht mehr gepflanzt werden, weil sie vor der kalten Jahreszeit nicht mehr "sesshaft" werden. Wirklich und lange Freude hat man an den verlockenden Angeboten deshalb nicht.

Abelia mosanensis – Abelie
Abelia mosanensis – Abelie

Andererseits ist es leider auch keine Seltenheit, dass einem eine bestimmte Pflanze, die man sich so gut im eigenen Garten vorstellen kann, "madig" gemacht wird, weil sie in der Gärtnerei oder Baumschule nicht im Sortiment ist. Aber verkaufen möchte man natürlich schon etwas. Also heißt es dann "nicht winterhart, viel zu empfindlich oder wird generell in den Gärtnereien und Gartencentern nicht mehr angeboten". Wenn Sie sich vorab anhand von Fachliteratur damit beschäftigt und beschlossen haben, es könnte doch etwas für Sie sein, sollten Sie sich davon nicht verunsichern lassen, am Ball bleiben und weitersuchen.

Mir erging es vor vielen Jahren mit einigen Gehölzen (Bäume und Sträucher also) ebenso: "Ja, da lesen die Leut' was, und wenn's im ersten Winter erfriert, sind wir schuld." Es handelte sich seinerzeit unter anderem um eine Abelia mosanensis (Abelie), die sich nun schon seit Jahrzehnten bei mir im Garten bester Gesundheit erfreut. Meine ersten Exemplare konnte ich schließlich aus Stecklingen ziehen, die mir dankenswerter Weise der Forstbotanische Garten in Göttingen zuschickte.

Auf die Kinderstube kommt es an

Stecklinge

Frisch eingetroffen vom Jung­pflanzen­lieferanten, rasch umgetopft in die hauseigenen Standardpflanztöpfe und schon stehen die Pflanzen im Verkaufsquartier und gehen im günstigsten Fall gleich weiter an die Kunden. Besonders im Frühjahr ist dieses Vorgehen in vielen Gärtnereien und Gartenmärkten leider gängige Praxis. Zeit zum Erholen von Transport- und Umtopfstress geschweige denn zum Akklimatisieren im neuen Substrat am neuen Standort bleibt den Pflanzen oftmals nicht.

Bessere Chancen, sich im heimischen Garten zu etablieren, haben Pflanzen, die gut in ihre Töpfchen einwurzeln durften. Wie dicht ihr Wurzelgeflecht sein sollte, wenn man sie kauft, hängt allerdings auch vom Wurzeltyp ab: Pflanzen mit Pfahlwurzeln wie zum Beispiel Akeleien (Aquilegia), Bärenklau (Acanthus) oder Stockrosen (Alcea) bilden keine dichten Wurzelgeflechte, sondern Pfahlwurzeln. Bei ihnen ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn sie in höheren (manche sagen auch: tieferen) Töpfen stehen, in denen ihre langen Wurzeln genug Raum nach unten haben, ohne gestaucht zu werden.

Staudenquartier

Wie erkennt man aber gut durchwurzelte Pflanztöpfe? Von außen gar nicht. Wenn ich jedoch ein Töpfchen hochnehmen will und merke, dass es sich am Untergrund (Erde, Vlies) "festhält", dann ist es gut – bis zum Boden – durchwurzelt. Austopfen ist also nicht nötig. Töpfchen, die spürbar mit dem Untergrund verwachsen sind, sollte man übrigens nicht losreißen, wenn man sie nicht mitnehmen will: Einmal abgerissen, kann das beschädigte Wurzelsystem unter Umständen nicht mehr genügend Wasser aufnehmen und die Pflanzen verdursten.

Aussagekräftige Etiketten – Beratung in Kurzform und für zu Hause

Auf kleinen (Steck-)Etiketten sollte alles Wichtige (Pflanzenname, Wuchshöhe, Blütezeit und Blütenfarbe, Standort) zu den Pflanzen in geraffter Form angegeben sein, damit man später noch weiß, was man gekauft hat und wo es hin muss. Diese Angaben können jedoch nur Richtwerte sein, denn es ist das Zusammenspiel aller Faktoren, das die Entwicklung der Pflanzen im Garten beeinflusst.

Die Angaben auf Pflanzenetiketten und ihre Bedeutung:


Wuchshöhe: abhängig von Licht, Feuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit und dem Nährstoffangebot; unter "Wuchshöhe" ist auf www.gartenfreud-gartenleid.de wie in den meisten Gärtnereien immer die Gesamthöhe der Pflanzen angegeben
Blütezeit: abhängig von Licht, Feuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit, Nährstoffangebot und Witterung
Blütenfarbe: bei einigen Gattungen und Arten abhängig von Feuchtigkeit, Bodenreaktion (PH-Wert) oder Licht; hinzu kommt die Wirkung der Farben auf das Auge je nach Lichtverhältnis: sie "verblassen" bei stärkerer Sonneneinstrahlung, wirken kräftiger an trüben Tagen

Campanula fenestrellata – Fensterchen-Glockenblume

Definition der Lichtverhältnisse:

sonnig: der Standort ist ganztags – zumindest aber in den Mittagsstunden – sonnenbeschienen
absonnig: ein heller Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung, vor allem während der Mittagsstunden
halbschattig: Flächen im Schatten von Gebäuden oder oder Gehölzen (im Osten oder Westen) mit weniger als einen halben Tag direkte Sonnenbestrahlung (mittags nie)
schattig: Standort ganztags im Schatten von Gehölzen oder Gebäuden

Definition der Bodenverhältnisse:

trocken: die Erde fühlt sich fast immer trocken an; trockene sandige Böden sind locker und staubig, trockene lehmige Böden sind fest und hart – meist an sonnigen Hanglagen mit gutem Wasserabzug oder im Regenschatten von Gebäuden zu finden
frisch: außer während extremer Trockenheit oder nach heftigen Niederschlägen fühlt sich die Erde leicht feucht an; normaler Gartenboden ist frisch
feucht: die Erde ist ganzjährig feucht, bei leichtem Druck tritt Wasser aus; feuchter Boden lässt sich formen, ohne zu zerbröckeln
nass: ein in diesen Boden gegrabenes Loch füllt sich sofort mit Wasser


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Balou rät: Augen auf beim Pflanzenkauf!
vg