Unkraut? HAKUNA MATATA – kein Problem!


In medias res

Hummel auf Trifolium repens Hummel auf Trifolium repens

Natürlich können einem die landläufig als Unkräuter bezeichneten Pflanzen, die neudeutsch auch unerwünschte Beikräuter heißen, das Leben schwer machen, wenn man einen Garten pflegt oder bewirtschaftet. Das Wichtigste ist daher, möglichst rasch einzuschreiten, wenn sich Unkräuter zeigen, aber auch mal einfach ein Auge zuzudrücken. Auch Unkraut ist grün und blüht manchmal hübsch. Die Insektenwelt im Garten wird zudem bunter und vielfältiger, wenn ihr nicht nur Zierstauden, sondern auch (einheimische) Wildkräuter(-blüten) zur Verfügung stehen.

Moos im Winter Moos "schläft" im Winter nicht

Ein Politiker der – wenn ich mich recht entsinne – Piraten-Partei hat die Aufgabe seines Schrebergartens in Berlin einmal sinngemäß mit der "überhandnehmenden Spontanvegetation" begründet. Wir passionierten Gärtner schütteln ob dieser Bequemlichkeit nur den Kopf, ziehen die Gartenschuhe an und krempeln die Ärmel hoch. Sogar im Winter, denn im Gegensatz zu den meisten Zierstauden machen viele Unkräuter durch, wachsen und blühen selbst in der kalten Jahreszeit, sofern es nicht bitterkalt ist oder eine geschlossene Schneedecke gibt. Sie sind eben bestens an unser Klima angepasst. Auch Moos läuft in den feuchten Wintermonaten geradezu zur Hochform auf.

Übrigens: Allen Bemühungen der Industrie zum Trotz – traue keinem Unkraut, das du nicht selbst ausgegraben hast (und dadurch vernichtet hast).


Unkrautfreie Beete für Neuanlagen

Beet mit Unkraut Hier hilft nur noch "Deckel drauf"

Unkrautfreie Erde ist für neue Anlagen/Pflanzungen im Garten ein Vorteil, für Beete, in die direkt gesät werden soll, fast schon unabdingbar. Zum einen, weil man nicht recht schnell vor der anspruchsvollen Aufgabe steht, die frisch eingesetzten oder aufgegangenen (bei Direktsaat) Pflänzchen von unerwünschten Beikräutern unterscheiden zu müssen, zum anderen, um das Anwachsen der Neulinge nicht durch intensive Bodenbearbeitung beim Unkrautenjäten zu beeinträchtigen. Mit schwarzer Folie und einer Portion Geduld lässt sich dem Ziel "unkrautfreie Erde" ohne Chemie und fast ohne Schweißperlen auf der Stirn ziemlich nahe kommen:

  1. Den Boden für das neue Beet im Spätsommer oder Herbst umgraben und dabei gegebenenfalls Wurzelunkräuter möglichst komplett entfernen (das ist der schweißtreibende Teil der Arbeit).
  2. Die Fläche mit schwarzer Folie (leicht wasserdurchlässiges Bändchengewebe hat sich bewährt) abdecken und am Rand mit Steinen beschweren oder mit großen, dicken Nägeln fixieren.
  3. Im Frühjahr die Folie entfernen, das Beet pflanzfertig machen und zwei bis drei Wochen warten. Falls in der Zeit etwas keimt, die Fläche erneut zwei bis drei Wochen lang mit der Folie abdecken. Dann erst sollte gepflanzt oder gesät werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte oder nach dem ersten Entfernen der Folie mit sehr vielen Keimlingen konfrontiert wurde, kann diesen Vorgang mehrmals wiederholen.

Ganz unkrautfrei bekommt man sein Beet mit dieser Methode wie gesagt nicht, aber es ist allemal besser, als Glyphosat (Round-up) oder andere chemische Keulen einzusetzen.


Unerwünschte Beikräuter

(früher nicht nur in Gartlerkreisen auch lapidar Unkraut genannt)


Oxalis stricta – Aufrechter Sauerklee Kriegt man in Gärtnereien gern gratis: Sauerklee

Es gibt so viele Pflanzen, die uns in unseren Gärten als Unkräuter stören, dass ich hier nur auf einige wenige eingehen will, mit denen wir es bei uns im Garten am häufigsten zu tun haben. Woher sie kommen? Das ist schwer zu sagen. Teils sicher aus der Natur, teils werden sie aber auch eingeschleppt aus anderen Gärten beim Pflanzentausch oder aus Gärtnereien und Baumschulen (und anderen Pflanzen-Anbietern). Bei frisch erworbenen Pflanzen macht es also durchaus Sinn, vor dem Einpflanzen in den (eigenen) Garten vorsichtig so viel Erde wie möglich abzutragen, zumindest jedoch die oberste Schicht.

Samenstand des Löwenzahns (Taraxacum officinale) Bereit für Eroberungen: Samen des Löwenzahns

Unkraut lässt sich ganz grob in zwei Kategorien einteilen: in Wurzelunkraut und Samenunkraut. Dazu gibt es noch diejenigen, die sich mit längeren oder kürzeren Ausläufern über den Boden schieben und so im Laufe der (eher kurzen) Zeit große Flächen erobern. "Ganz grob" ist die Einteilung in Wurzel- und Samenunkraut auch deshalb, weil sich manche Wurzelunkräuter zu allem Überfluss gleichzeitig als Samenunkräuter hervortun und umgekehrt. Große Brennnessel (Urtica dioica), Habichtskraut (Hieracium), Giersch (Aegopodium podagraria) und natürlich der allgegenwärtige Löwenzahn (Taraxacum officinale) seien hier nur stellvertretend genannt.

Wurzelunkraut

Equisetum arvense – Schachtelhalm Equisetum arvense – Schachtelhalm

Wurzelunkräuter wie Schachtelhalm (Equisetum), Acker-Winde (Convulvulus arvensis), Quecke (Elymus repens), Giersch (Aegopodium podagraria) – den wir glücklicherweise nicht haben – und Löwenzahn (Taraxacum officinale) können einen mit ihren regenerationsfreudigen Wurzeln in den Wahnsinn treiben. Gegen sie hilft nur eines: Graben, falls es sein muss, bis Australien, denn leider, leider wurzeln viele dieser Unkräuter furchtbar tief. Viele "bewegen" sich zudem mit (oft langen) unterirdischen Wurzelausläufern, sodass quer durchs ganze Beet gebuddelt werden muss, um die ganzen Wurzelranken zu erwischen.

Aber Vorsicht: Bleiben bei der Grabaktion Wurzelstückchen im Boden zurück, werden die Wurzeln also nur abgehackt statt komplett ausgegraben, machen Sie "Stecklinge", denn aus jedem im Boden verbliebenen Wurzelteil wächst eine neue Pflanze. Besonders effektiv "vermehren" sie solche Pflanzen beim Einsatz der Fräse bei der Bodenbearbeitung. Besser geeignete Werkzeuge, um Wurzelunkräuter loszuwerden, sind Spaten, Grabgabel und natürlich die Hände. Denn bei dieser Arbeit ist Fingerspitzengefühl gefragt.


Convolvulus arvensis – Acker-Winde

Convolvolus arvensis –
Acker-Winde

Taraxacum officinale – Löwenzahn

Taraxacum officinale – Löwenzahn

Urtica dioica – Brennnessel

Urtica dioica – Brennnessel

Equisetum arvense – Schachtelhalm Equisetum arvense – Schachtelhalm

Wie der Name schon sagt, geht die größte "Gefahr" von der ungezügelten Selbstaussaat dieser Pflanzen aus. Franzosenkraut (Galinsoga parviflora), Persischer Ehrenpreis (Veronica persica) und das Garten-Schaumkraut (Cardamine hirsuta) gehören zum Beispiel zu den Samenunkräutern. Wer ein Exemplar davon im Garten hat und es versäumt, seine verblühten Blütenstände vor der Samenreife zu entfernen (am besten mitsamt der Pflanze), wird ihrer bald nicht mehr Herr, weil sie sich hundert- oder tausendfach verbreiten.

Galinsoga parviflora – Franzosenkraut Galinsoga parviflora – Franzosenkraut

Sobald Sie erkennen können, was da wächst, sollten sie deshalb zur Tat schreiten und die Pflanze ausreißen, möglichst mit der Wurzel. Spätestens aber, wenn die Pflanzen blühen, sollten Sie aktiv werden. Handspaten und Unkrautstecher sind für diese Arbeit die besten Werkzeuge. Rein zum Abschneiden von Verblühtem taugt eine Gartenschere oder kleine Staudensichel.

Die Samen dieser Pflanzen keimen zum Teil noch nach Jahrzehnten, das nur nebenbei. Und noch etwas: Ausgegrabene Pflanzen bloß nicht auf dem Beet liegen lassen. Die sind nämlich so zäh, dass ihnen die Feuchtigkeit etwas nächtlichen Taus genügt, um zu überleben und neu zu wurzeln.


Chaenopodium album – Weißer Gänsefuß

Chaenopodium album – Weißer Gänsefuß

Crepis biennis – Wiesen-Pippau

Crepis biennis – Wiesen-Pippau

Daucus carota – Wilde Möhre

Daucus carota – Wilde Möhre

Anagallis arvensis – Acker-Gauchheil

Anagallis arvensis – Acker-Gauchheil

Cardamine hirsuta – Garten-Schaumkraut

Cardamine hirsuta – Garten-Schaumkraut


Euphorbia peplus – Garten-Wolfsmilch

Euphorbia peplus – Garten-Wolfsmilch

Oxalis corniculata – Hornfrüchtiger Sauerklee

Oxalis corniculata – Hornfrüchtiger Sauerklee

Sonchus asper – Raue Gänsedistel

Sonchus asper – Raue Gänsedistel

Galinsoga parviflora – Franzosenkraut

Galinsoga parviflora – Franzosenkraut

Lamium purpureum – Purpurrote Taubnessel

Lamium purpureum – Purpurrote Taubnessel

Oxalis stricta – Aufrechter Sauerklee

Oxalis stricta – Aufrechter Sauerklee

Fallopia convolvulus – Acker-Flügelknöterich

Fallopia convolvulus – Acker-Flügelknöterich

Valerianella locusta – Gewöhnlicher Feldsalat

Valerianella locusta – Gewöhnlicher Feldsalat

Vicia hirsuta – Rauhaarige Wicke

Vicia hirsuta – Rauhaarige Wicke



Mit meist langen Ranken schleichen Gewöhnlicher Gundermann (Glechoma hederacea) und Kriechender (Weiß-)Klee (Trifolium repens) über den Boden und bilden an sogenannten Wachtumsknoten der Ranken Wurzeln und damit neue Pflanzen. Zwar lässt sich der Weg, den sie so zurücklegen, leicht verfolgen, und damit die "Jungpflanzen" bequem aufspüren. Beim Entfernen sollten Sie jedoch nicht nur an den Trieben ziehen (die dabei vielleicht bloß abreißen), sondern gut darauf achten, dass alle wurzelnden Teile ausgerissen werden. Beim Kriechenden Fingerkraut (Potentilla reptans) ist das besonders mühsam, denn das ist zugleich Wurzelunkraut mit enorm langen, zähen Pfahlwurzeln. Am besten arbeiten Sie dabei mit einem Handschäufelchen oder Unkrautstecher.

Glechoma herderacea – Gundermann, Gundelrebe

Glechoma hederacea – Gundermann, Gundelrebe

Medicago lupulina – Hopfen-Schneckenklee

Medicago lupulina – Hopfen-Schneckenklee

Trifolium repens – Kriechender (Weiß-)Klee

Trifolium repens – Kriechender (Weiß-)Klee


Potentilla reptans – Kriechendes Fingerkraut

Potentilla reptans – Kriechendes Fingerkraut

Nach getaner Arbeit

Wohin dann mit dem Gartenabfall, den abgeschnittenen Blütentrieben, den ausgegrabenen Wurzeln? Sie auf dem Kompost zu entsorgen, ist problematisch: Der Rottevorgang kann den Samen meist nichts anhaben und das Ergebnis ist unter Umständen beste, aber wertlose, weil unkrautsamenverseuchte Komposterde. Wurzelstückchen von Wurzelunkräutern haben erfahrungsgemäß selbst dann noch Lebensgeist, wenn sie bei niederschlagslosem Wetter eine Weile in der Sonne getrocknet wurden. Wandern sie (auch nach so einer Prozedur) auf den Komposthaufen, legen sie erneut los. Im lockeren Kompost sogar besonders rasant und mühelos. Solche Gartenabfälle sind in der Biotonne oder bei den Sammelstellen der Städte und Gemeinden unbedingt besser aufgehoben.


Moos

Moos

Wer im Garten Steine als Gestaltungselement einsetzt und sich darüber freut, dass alles so natürlich wie möglich aussieht, vielleicht sogar wie über Jahrzehnte gewachsen, der freut sich auch, sobald sich irgendwo ein Moospolster zeigt. Im ersten Jahr. Im zweiten Jahr gilt das Interesse dem Wachstum und der Ausbreitung der Moospolster. Noch ein Jahr später kommt es darauf an, welches Moos sich angesiedelt hat (oder vielleicht sogar angesiedelt wurde).

Mit den einzelnen Moosen kenne ich mich ehrlich gesagt kein bisschen aus, deshalb unterscheide ich ganz laienhaft zwischen den "Guten" und den "Bösen".

Das “gute” Moos Das “gute” Moos

Zum mir angenehmen Moos gehört eine dunkelgrüne Art, die niedrig und enorm dicht wächst und die lange, lange braucht, um überhaupt richtig aufzufallen. Die "Bösen", das sind die höheren, lockeren und hellgrünen Matten, die sich rasend schnell ausbreiten und nach und nach alles erobern: Rasen, Steine, Beete, Zäune – sie sind überall. Und natürlich das Lebermoos, das man liebend gern mit torfhaltigen Topferden aus Baumschulen und Gärtnereien importiert.

Das “böse” Moos Das “böse” Moos

Dagegen hilft nur Konsequenz von Anfang an, um diese "Begrünung" auf das erwünschte Maß zu beschränken. Und Kalk, der schweren sowie lehmigen Böden oftmals fehlt. Verlassen Sie sich nicht unbedingt auf Ihre Beobachtungsgabe und Ihr Gespür, denn wenn vor der Gartenanlage flächendeckend dieselbe frische Erde ausgebracht wurde, sind Bodenproben durchaus hilfreich. Auf einem alten Acker – wie bei mir – ändert sich die Bodenqualität dagegen fast von Quadratmeter zu Quadratmeter. Mit vier bis fünf Proben von unterschiedlichen Stellen ist mir da auf etwa 3.000 m² Grundstück nicht mehr gedient.

In diesem Zusammenhang steht Rindenmulch häufig in der Kritik, den Boden zu versauern. Das stimmt nicht, deshalb liste ich mal die Vor- und Nachteile von Rindenmulch (der gut abgelagert sein muss) auf:

Positiv:

Negativ:

Worauf es ankommt, ist gute Qualität. Von Rindenmulch, der bereits beim Öffnen der Packung durchfeuchtet ist und demzufolge Anzeichen von Pilz- oder Moosbesatz aufweist, sollten Sie die Finger lassen.




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