Symphytum officinale – Gewöhnlicher Beinwell, Arznei-Beinwell

(Pflanzenfamilie: Boraginaceae – Raublattgewächse)

Symphytum officinale – Gewöhnlicher Beinwell bzw. Arznei-Beinwell Eine in Deutschland einheimische Pflanze ist der Arznei-Beinwell. Und der ist Ihnen sicher nicht nur in der Natur schon begegnet (wo er auf feuchten Wiesen oder an Bachläufen zum Beispiel zu finden ist, wie hier in Mittel­franken), sondern auch in Form von Tinkturen oder allerlei Salben, die unter anderem bei Entzündungen und kleinen Schrammen Linderung versprechen – und dieses Verspre­chen in der Regel auch halten. Schließ­lich ist Symphytum officinale eine altbekannte Heil­pflanze, die bereits im "Hortus Eystettensis" ("Der Garten von Eichstätt" – gemeint ist der Klostergarten) von 1612/1613 erwähnt ist. Warum sollten wir uns das Wissen und die Erfahrungen von damals nicht heute noch zunutze machen?

Symphytum officinale – Gewöhnlicher Beinwell bzw. Arznei-Beinwell, Austrieb
Symphytum officinale – Austrieb

Beinwell im Garten ist kein Thema. Ist's ihm zu trocken, bleibt er einfach ein Gnom. Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er freilich lieber in feuchteren Böden wachsen. Feuchter Boden und feuchte Witterung sind allerdings zweierlei, und bei länger andauernder feuchter Witterung leidet der Gewöhnliche Beinwell gern mal an Mehltau. Ist aber kein Problem: Schneiden Sie die Pflanze bis knapp über dem Boden zurück und entsorgen Sie die mehltau­befallenen Pflanzenteile im Restmüll (nicht auf den Kompost werfen!). Die Pflanze treibt nach dieser Radikalkur wieder neu durch. Ein Rück­schnitt ist auch die beste Lösung, falls die Pflanze auseinanderfällt und recht unschön aussieht.

Symphytum officinale – Gewöhnlicher Beinwell, Blüten Einen halb­schattigen bis schattigen Stand­ort – wie oft zu lesen ist – braucht Symphytum officinale nicht, es nimmt, was es kriegen kann. Seine Wuchshöhe richtet sich stark nach dem Nährstoff­angebot; steht es gut im Futter, wächst es unbandig, in eher mageren Böden hält es sich zurück. Ich würde sagen, ob Sie es düngen oder nicht, hängt davon ab, was Sie mit dem Beinwell vorhaben: Soll aus ihm eine imposante Staude mit Beetpflanzen-Charakter werden, können Sie ihn düngen und gießen, wollen Sie ihn als Heilpflanze nutzen, braucht er dererlei Pflege nicht. Je natürlicher, desto besser, heißt dann die Devise.

Erwarten Sie vom Arznei-Beinwell keinen umwerfenden Blüten­flor. Seine Blüten sind relativ klein für solch eine massige Pflanze mit so großen Blättern. Dennoch durfte er schon allein aus praktischen Erwägungen früher in keinem Bauern- und Hausgar­ten fehlen: Der Weg in den Garten ist kürzer als der zum Doktor!

Symphytum officinale – Gewöhnlicher Beinwell, Samen
Symphytum officinale – Samen

Symphytum officinale ist eine außerordentlich langlebige Staude. Die Vermehrung überlässt man am besten dem Beinwell selbst, indem man Verblühtes einfach stehen lässt. Er sät sich dann moderat aus, lästig wird er damit jedoch nicht.

Über ein paar Beinwell mehr freuen sich die Damen der beiden in Deutschland häufig vor­kommenden Wildbienen-Arten Osmia bicornis (Rostrote Mauerbiene) und Anthophora plumipes (Frühlings-Pelzbiene) sowie der sehr seltenen Andrena symphyti (Beinwell-Sandbiene), denn sie sammeln (nur die Wildbienen-Weibchen sammeln) Pollen von Symphytum officinale als Nahrungsvorrat für ihre Larven in den Nestern.

Osmia bicornis – Rostrote Mauerbiene (Weibchen)
Osmia bicornis (Weibchen)

Die Mauerbiene und die Pelzbiene sind so häufig, dass ich sie sogar im Garten habe. Da gehört also nicht viel dazu, solange man den richtigen Stauden-Mix als Pollenquellen für sie anbietet. Bei der Frühlings-Pelzbiene sind das außer Beinwell zum Beispiel noch Pulmonaria officinalis (Echtes Lungenkraut), Ajuga reptans (Kriechender Günsel), Nepeta x faassenii (Blauminze), Veronica teucrium (Großer Ehrenpreis) sowie Primula veris (Frühlings-Schlüsselblume), die zu ihren Pollen­lieferanten gehören. Die Rostrote Mauerbiene sammelt außer Symphytum-officinale-Pollen unter anderem Pollen von Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf), Ajuga reptans (Kriechender Günsel) und Salvia pratensis (Wiesen-Salbei). In den Stauden-Garten gepflanzt, liefern diese Arten nicht nur einen Gaumenschmaus für die Wildbienen, sondern auch einen Augenschmaus für die Gärtnerin/den Gärtner.

Anthophora plumipes – Frühlings-Pelzbiene (Weibchen)
Anthophora plumipes (Weibchen)

Eigentlich wurde Pollen des Gewöhnlichen Beinwells noch in den Nestern einer vierten Wildbienen-Art gefunden, nämlich in denen der Pelzbiene Anthophora fulvitarsis. In Deutschland ist diese Pelzbiene jedoch mittlerweile leider verschollen. Wir Gartenbe­sitzer haben es mit in der Hand, dass den anderen Arten das nicht passiert!

Aus dem Foto unten sind Gewöhnliche Akeleien (Aquilegia vulgaris) und ein Garten-Salomonssiegel (Polygonatum x hybridum 'Weihenstephan') die Pflanzpartner des Gewöhnlichen Beinwells; die weißen "Sprenkel" auf seinen Blättern sind Blütenblätter einer Eberesche (Sorbus aucuparia).

Symphytum officinale – Gewöhnlicher Beinwell, Arznei-Beinwell

Wuchshöhe: 50-100 cm
Blütenfarbe: dunkel purpurviolett
Blütezeit: Mai, Juni, Juli, August, September
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung:
Hinweis: einheimische Heilpflanze; Pollenlieferant für Wildbienen



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