Teucrium – Gamander

(Pflanzenfamilie: Lamiaceae – Lippenblütler)

Unter den über 250 Gamander-Arten gibt es nur wenige, die garten­würdig sind und dort zugleich ohne viele Fisimatenten zu machen angesiedelt werden können – ohne Alpinum oder Steingarten.


Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander

Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander

Wer ist bloß auf die Idee gekommen, so ein wucherndes, etwas derbes Geschöpf Edel-Gamander zu nennen? Theore­tisch müsste es zu diesem deut­schen Namen ja auch noch ein Pendant in der Ecke "Gewöhn­licher" Gamander (T. vulgaris) geben, dem scheint jedoch nicht so zu sein. – In Deutsch­land sind außer dem Edel-Gamander nur noch der Salbei- (T. scorodonia), Lauch- oder Wasser- (T. scordium), Berg- (T. montanum) und der Trauben-Gamander (T. botrys) ein­heimisch.

Diesen kleinen Halbstrauch kann ich guten Gewissens jedenfalls nur für große bis sehr große Gärten vorschlagen; er geht nicht nur mit invasiven Ausläufern und aufliegenden Trieben, die Wurzeln bilden, sondern auch mittels Selbstaussaat auf Eroberungstour. Dass sich Teucrium chamaedrys – zumindest etwas – selbst aussät, lässt sich praktisch nicht vermeiden, weil die ersten Samen noch während der Blütezeit reifen. Da hilft also auch ein Rückschnitt unmittelbar nach der Blüte nicht viel.

In Naturgärten mit Wildstaudenpflanzungen
Wildstaudenpflanzungen:

Pflanzungen, die unter Verwendung von heimischen und nicht heimischen Pflanzen – keine Züchtungen – weitgehend sich selbst überlassen werden; der Gärtner greift nur gelegentlich ordnend ein. Eine Wildstauden-Pflanzung kann sich über den ganzen Garten erstrecken oder auf einzelne Bereiche beschränken.

passt der Edel-Gamander wunderbar. Chic sieht er zweifellos auch als niedrige kleine Hecke aus, zum Beispiel als Randbepflanzung eines Beetes oder aber zur Abgrenzung einzelner Gartenbereiche voneinander (wenn man die Ausläufer und wurzelnden Triebe immer wieder absticht).

Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander, Sämling
Teucrium chamaedrys – Sämling

Soll die Selbst­aus­saat einge­dämmt werden, ist ein Rück­schnitt der ver­blühten Blüten­triebe uner­lässlich. Je nach Stand­ort kann der Schnitt dann gleich rigoros boden­nah er­folgen oder sozu­sagen kosme­tisch, indem Sie nur die alten Blüten­stände ent­fernen. Im letzteren Fall schneiden Sie die alten Triebe erst im folgenden Frühjahr vor dem Neuaustrieb bodennah ab. Das ist ratsam, weil die "alten Storren" sonst in der nächsten Blühsaison das Gesamtbild doch ein bisschen beeinträchtigen (siehe Foto). Kann natürlich auch sein, dass gerade solch eine rustikale Optik ihre Fans findet.

Teucrium chamaedrys verträgt trockene Standorte (das monatelang zu trockene Jahr 2018 hat er hier ohne zusätzliche Wassergaben bravourös überstanden), bevorzugt kalthaltige Böden sowie einen sonnigen Stand, kommt aber mit Halbschatten ebenfalls zurecht. Winterhart ist er in unseren Breiten definitiv, zuverlässig wintergrün bzw. immergrün aber wohl bloß in Gegenden mit milden Wintern, etwa im Weinbauklima.

Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander Die Edel-Gamander in meinem Garten stammen alle von einer einzigen steck­lings­vermehrten Pflanze ab, quasi von einer "Urmutter". Dennoch schaffen es einige Pflanzen – darunter inzwi­schen natur­gemäß etliche Säm­linge –, an verschie­denen Trieben von rosa nach violett, von heller nach dunkler verschiedenfarbig zu blühen. Wohlgemerkt: zur selben Zeit! Nach einer Weile verschwindet das "Multicolour-Schauspiel"; wie es zustande kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf dem Foto (einer einzelnen Pflanze) ist das gut zu erkennen.

Anthidium manicatum (Garten-Wollbiene, Männchen) an Digitalis ferruginea
Anthidium manicatum (Garten-Wollbiene, Männchen), hier an Digitalis ferruginea

Anstelle von Steck­lings­ver­mehrung bietet sich das Teilen größerer Buschen an. In Privat­gärten ist diese Art, das kleine Sträuch­lein zu ver­mehren, sicher die ein­fachste Lö­sung, zumal dort der Bedarf an neuen Pflanzen über­schaubar sein dürfte. Falls man über­haupt selbst Hand an­legen muss und nicht schon die Säm­linge vollauf genügen: aus­graben, an anderer Stelle ein­graben, angießen, passt!

Bei Insekten aller Art ist der Edel-Gamander heiß begehrt. Doch nicht nur sein Nektar wird gern genascht, es sammeln auch fünf Wildbienen-Arten seinen Pollen als Proviant für ihre Larven: Anthidium manicatum (Garten-Wollbiene), die drei Pelzbienen-Arten Anthophora furcata (Wald-Pelzbiene), Anthophora pubescens (Schuppen-Pelzbiene) und Anthophora quadrimaculata (Vierfleck-Pelzbiene) sowie Osmia andrenoides (eine Mauerbienen-Art). Da drückt man doch gern ein Auge zu und lässt ein paar Gamander-Sämlinge mehr stehen.

Der Lebensweise der Wildbienen und der Frage, wie man diesen bedrohten Arten helfen kann, habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet, so faszinierend und vielfältig sind diese Insekten: Wildbienen im Stauden-Garten. Viel Spaß bei der Lektüre.


Teucrium chamaedrys – Edel-Gamander

Wuchshöhe: 20-30 cm
Blütenfarbe: rosaviolett
Blütezeit: Juli, August
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: trocken-frisch
Verwendung:
Hinweis: Ausläufer treibend; Insektenmagnet, Pollenquelle für Wildbienen


Teucrium hircanicum (auch: hyrcanicum) – Kaukasus-Gamander

Teucrium hircanicum – Kaukasus-Gamander Das ist ein Gamander, ohne den ich mir den Garten gar nicht mehr vorstellen kann, denn eine pflege­leichtere, ansprechen­dere und viel­seitigere Pflanze findest du selten. Mag Teucrium hircanicum in seiner Heimat Iran, Türkei, Transkaukasien noch so sehr auf feuchte, schattige Standorte fixiert sein, bei mir im Versuchsgarten wächst er überall (Sonne, Halbschatten, Schatten, trocken, frisch, feuchter) und das ohne jede Pflege: kein Gießen (nicht einmal in Jahren mit monatelanger Trockenheit wie 2018), kein Düngen, kein Rückschnitt (wenn man nicht will).

Teucrium hircanicum – Kaukasus-Gamander im Vorfrühling
Teucrium hircanicum im Vorfrühling

Letzteres ist natür­lich der Grund, wes­halb es inzwi­schen kein Beet und keine Ecke mehr ohne den Kaukasus-Gamander bei mir gibt, denn er sät sich halt selbst aus und keimt willig. Wenn mir irgend­wo ein Säm­ling oder eine Jung­pflanze begegnet, über­lege ich kurz, ob das Teucrium hircanicum mit seinen purpur­violetten Blüten­ähren, lila Blüten­stielen und dem buschigen Wuchs zu den Pflanzen ringsum passen könnte, und dement­sprechend heißt es Hop oder Top, Bleiben oder Gehen für das Pflänzchen. Die meisten dürfen bleiben, weil sie einfach fast überall dazupassen und mit ihrer langen Blütezeit eine Bereicherung sind.

Teucrium hircanicum ist zuverlässig, robust und absolut winterhart, ja fast schon etwas zu angepasst an unsere fränkischen Verhältnisse. Aber wenn er sich mal wieder im Rasen ausgesät hat und breitmacht, mähen wir eben einfach drüber.

Teucrium hircanicum – Kaukasus-Gamander

In "nor­malen" Jahren mit "nor­maler" Feuchtig­keit und "nor­malen" Tem­pera­turen beginnt er im Juli zu blühen. In unge­wöhnlich warmen und trockenen Sommern war er jedoch bereits im Juni am Start. Ganz lässt sich Selbst­aussaat beim Kaukasus-Gamander übrigens selbst mit einem Rück­schnitt nicht ver­meiden, weil die Pflanze an den langen Blütenähren bereits Samen ansetzt und gleichzeitig fortwährend neue Blüten bildet. Insekten aller Art inklusive (Wild-)Bienen sind von dieser Ausdauer begeistert! Noch mehr, wenn aus einer Blütenähre zur Spitze hin siamesischen Zwillingen gleich zwei werden. Solch eine Anomalie taucht gar nicht so selten auf.

Empfehlenswert ist es, komplett abgeblühte Triebe nach und nach rauszuschneiden. Das dämmt das Aussäen (Aussaat ist übrigens die Vermehrungsmethode der Wahl) wenigstens etwas ein und bringt noch blühende Triebe besser zur Geltung. Es kommen dann zudem mehr neue Blütentriebe nach.


Teucrium hircanicum (auch: hyrcanicum) – Kaukasus-Gamander

Wuchshöhe: 45-50 cm
Blütenfarbe: purpurviolett/purpurrot
Blütezeit: (Juni), Juli, August, September
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: trocken-frisch
Verwendung:
Hinweis: Insektenmagnet


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