Verbascum blattaria ('Album') – Schaben-Königskerze, Schabenkraut, Motten-Königskerze

Verbascum blattaria ('Album')
Verbascum chaixii ('Album')
Verbascum phoeniceum 'Violetta'
Verbascum thapsus

Verbascum blattaria – Schaben-Königskerze, Austrieb
Verbascum blattaria – Austrieb

Definitiv nur zweijährig, aber definitiv aussaatwillig ist die Schaben-Königskerze. Ihr deutscher Name klingt ja wohl eher "schäbig", kommt aber daher, dass früher jedes kultivierte Kraut auch einen Zweck erfüllen musste, und im Fall des Verbascum blattaria war es eben der, Schaben (also Ungeziefer) zu vertreiben.

Was sagt uns der deutsche Name noch? – Verbascum blattaria ist in Deutschland eine einheimische Pflanze. Mittlerweile gilt sie in der Natur allerdings als gefährdet. Weshalb solche gefährdeten Pflanzen nicht automatisch geschützt sind, wird sich mir nie erschließen. Verbascum blattaria ist es jedenfalls nicht (alle Angaben Stand Februar 2019).

Verbascum blattaria – Schaben-Königskerze, Blüte Die Art blüht wie die meisten Königskerzen gelb, sehr kräftig (sonnen-)gelb. Ihre purpurnen und purpurviolett behaarten Staubfäden bilden dazu einen satten Kontrast, der fast "too much" ist. Ich habe mich deshalb für die dezent weiß blühende Form entschieden, denn in Verbindung mit den weißen Blütenblättern wirkt die purpurne Mitte tatsächlich königlich. Damit und mit dem lockeren Blütenaufbau ist das Schabenkraut ein hervorragender und zurückhaltender Begleiter für alle möglichen Stauden.

Besonders filigran wirkt jedoch ein Ensemble mit solchen höheren Ziergräsern, die ebenfalls leicht lehmigen Boden (sandig-lehmig) und einen nicht zu trockenen Stand in vollsonniger Lage schätzen. Stipa calamagrostis (Silber-Ährengras, Alpen-Raugras) und Sorghastrum nutans (Goldbartgras, Gelbes Indianergras) kommen mir da in den Sinn. Lässt man Verbascum blattaria 'Album' neben diesen Pflanzpartnern aussäen (alte Blütentriebe dann erst im Frühjahr abschneiden), sind jährlich wechselnde Gartenbilder das Dankeschön – dazu noch meist sehr gelungene.

Verbascum blattaria 'Album' – Schaben-Königskerze, Schabenkraut

Wuchshöhe: 100 cm
Blütenfarbe: weiß mit purpur
Blütezeit: Juni, Juli
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung:
Hinweis: einheimische zweijährige Pflanze; Staunässe vermeiden


Verbascum chaixii ('Album') – Chaix' Königskerze, Französische Königskerze

Verbascum blattaria ('Album')
Verbascum chaixii ('Album')
Verbascum phoeniceum 'Violetta'
Verbascum thapsus

Verbascum chaixii – Chaix' Königskerze, Französische Königskerze In der Blütenfarbe unterscheidet sich Chaix' Königskerze kaum von der Schaben-Königskerze – gelb mit purpur blüht die Art, weiß mit purpur die weiße Form. Aber: Bei Verbascum blattaria sitzen die Einzelblüten locker an kurzen Stielen, während sie bei Verbascum chaixii dicht gedrängt am Blütentrieb stehen und damit dem Blütenstand das Kerzen-Image verleihen.

Verbascum chaixii – Chaix' Königskerze, Austrieb
Verbascum chaixii – Austrieb

Chaix' Königs­kerze zählt zu den stau­digen Königs­kerzen-Arten und gilt in Deutsch­land als Neo­phyt, aller­dings als unbe­stän­diger und wenig ver­brei­teter (Stand Fe­bruar 2019).

Ein beherzter Rückschnitt nach der ersten Blüte bis auf eine Handbreit über dem Boden (abgeschnittene Stängel sind Nisthilfen für Wildbienen) ist bei dieser Königskerze von doppeltem Nutzen: Er fördert eine Nachblüte im Spätsommer und verhindert Selbstaussaat. Verbascum chaixii kann damit nämlich durchaus lästig werden, vor allem natürlich in kleineren Gärten (für die es ansonsten wunderbar passt).

Mehr Pflege ist gar nicht nötig, um seine Freude an dieser vielseitig einsetzbaren und wunderbar "leichten" Staude zu haben. Eventuelles Gießen versteht sich ja sowieso von selbst, doch bei Verbascum chaixii können Sie Wasser sparen, das verträgt längere Trockenheit ausgesprochen gut. Deshalb lieber selten und tiefgründig wässern, damit die Feuchtigkeit die lange Pfahlwurzel erreicht, dafür aber nicht alle paar Tage.

Umpflanzen sollte man ältere Exemplare wegen eben dieser Pfahlwurzel nicht mehr; das geht nur mit jungen Sämlingen. Beim Entfernen/Ausgraben der Französischen Königskerze (z. B. überzähliger Sämlinge) sollten Sie gründlich arbeiten, denn V. chaixii treibt aus den im Boden verbliebenen Wurzelresten wieder aus. Was für die Vermehrung in den Gärtnereien so praktisch ist, kann sich im Garten also ins Gegenteil verkehren.


Ein Weibchen der Glänzenden Schmalbiene sammelt Pollen an Verbascum chaixii
Ein Weibchen der Glänzenden Schmalbiene sammelt Pollen an Verbascum chaixii

Verbascum chaixii wird wie alle Königskerzen oft und gern von Insekten besucht. Die Wildbienen-Art Lasioglossum nitidulum (Glänzende Schmalbiene) konnte ich sogar beim Pollensammeln für ihre Larven beobachten. Mehr Wissenswertes über die Glänzende Schmalbiene finden Sie bei Verbascum thapsus.

Verbascum chaixii 'Album' – Chaix' Königskerze, Französische Königskerze

Wuchshöhe: 100 cm
Blütenfarbe: weiß mit purpur
Blütezeit: Juni, Juli
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung: Solitär; Schnittpflanze
Hinweis: Staunässe vermeiden


Verbascum phoeniceum 'Violetta' – Purpur-Königskerze, Violette Königskerze, Purpurrotes Wollkraut

Verbascum blattaria ('Album')
Verbascum chaixii ('Album')
Verbascum phoeniceum 'Violetta'
Verbascum thapsus

Im Blütenaufbau ähnelt Verbascum phoeniceum dem Verbascum blattaria, seine Einzelblüten sitzen an kurzen Stielen am Blütentrieb und bilden luftige Blütentrauben, keine stämmigen Blütenkerzen. Ungewöhnlich ist bei der Purpur-Königskerze die – wie die deutschen Namen bereits sagen – purpurviolette Blütenfarbe, die im Garten schon deutliche und starke Akzente setzt.

Im Kombination mit (zart-)rosa oder weiß blühenden Stauden kommt der dominante Farbton sehr gut zur Geltung, ohne aufdringlich zu wirken. Solche Ensembles zaubern harmonische Gartenbilder. Linum perenne 'Album' (Ausdauernder Lein), Helianthemum apenninum (Sonnenröschen), Iberis sempervirens (Immergrüne Schleifenblume), Aquilegia vulgaris Clematiflora-Gruppe (Spornlose bzw. Clematisblütige Akelei) oder Geranium sanguineum var. striatum (Blut-Storchschnabel) könnte man dazu als ungefähr zeitgleich blühende Pflanzpartner wählen. Ausschließlich niedrig bleibende Nachbarn sollten Sie nicht aussuchen – die Mischung macht's. Ein klares Blau neben der 'Violetta', wie das der Blüten des blauen Stauden-Leins (Linum perenne), sorgt hingegen in meinen Augen für Disharmonien. In Einzelstellung dafür, etwa am sonnigen Gehölzrand, ist die Purpur-Königskerze unzweifelhaft ein Eyecatcher.

Verbascum phoeniceum 'Violetta' – Purpur-Königskerze Gartengestaltung mit Verbascum phoeniceum ist nicht immer ganz einfach: Aus seiner Blattrosette treibt es häufig nur einen Blütentrieb, im ersten Blüh-Jahr auf jeden Fall. In den Folgejahren kann es sein, dass mehrere Blütentriebe kommen oder sich der Trieb verzweigt und dadurch opulenter aussieht, muss aber nicht. Sofern also nicht nur einzelne Blütentriebe als Gestaltungselement gewünscht sind, sollten Sie die Purpur-Königskerze sicherheitshalber in Tuffs von drei bis fünf Rosetten pflanzen.

Verbascum phoeniceum 'Violetta' – Purpur-Königskerze, Austrieb
Verbascum phoeniceum 'Violetta' – Austrieb

Ähnlich wie beim Ausdauernden Lein (Linum perenne) hat Verbascum phoeniceum die unschöne Eigenart, nur bis zum Mittag zu blühen, dann schmeißt es die Blütenblätter. Es erscheinen zwar täglich neue, doch sie bleiben nie länger (witterungsabhängig) als bis zum frühen Nachmittag. Sowie die Blütenstände definitiv keine neuen Blüten mehr produzieren, sollten Sie die Blütentriebe abschneiden, die Purpur-Königskerze blüht dann im Sommer meist noch einmal.

Verbascum phoeniceum wächst in der Regel staudig (an ungünstigen Standorten auch zweijährig) und ist in Deutschland einheimisch. Ob das so bleibt, ist ungewiss, es gilt in der Natur als gefährdet (und ist trotzdem nicht geschützt!), in Bayern bereits als verschollen (Stand Februar 2019).

Verbascum phoeniceum 'Violetta' – Purpur-Königskerze, Violette Königskerze, Purpurrotes Wollkraut

Wuchshöhe: 100 cm
Blütenfarbe: purpurviolett
Blütezeit: Mai, Juni
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: frisch
Verwendung:
Hinweis: einheimische Wildstaude; Staunässe vermeiden


Verbascum thapsus – Kleinblütige Königskerze

Verbascum blattaria ('Album')
Verbascum chaixii ('Album')
Verbascum phoeniceum 'Violetta'
Verbascum thapsus

Verbascum thapsus – Kleinblütige Königskerze, Blüte Sie gehört eigentlich gar nicht hierher, die Kleinblütige Königskerze, weil sie bloß zweijährig ist (wie Verbascum blattaria) und keine mehrjährige Staude. Trotzdem gibt es gute Gründe, sie auch in einen Staudengarten zu integrieren und deshalb hier zu erwähnen.

Das wäre zunächst einmal der hohe, ornamentale Wuchs, mit dem sich ebenso raffinierte wie spannende Bilder in Beeten bzw. in ganzen Gartenanlagen schaffen lassen: Mit ihrer Wuchshöhe von bis zu 2,5 m bei ausreichender Feuchtigkeit überragt sie alle. Verbascum thapsus lässt sich daher wie ein gestalterisches Element einsetzen, sagen wir mal wie ein Obelisk. Ähnlich schmal und kerzengerade wie ein Obelisk ist nämlich der Blütenstand dieser Königskerze.

Dann ist da noch das leuchtende und dennoch sanfte Gelb der vielen kleinen Einzelblüten, das weder so dominant ist wie das Sonnengelb von Heliopsis helianthoides (Sonnenauge) noch so blass und schüchtern wie das der Blüten einer Alcea rugosa (Gelbe, Russische oder Ausdauernde Stockrose).

Verbascum thapsus – Kleinblütige Königskerze mit Schneckenfraß
Schneckenmahlzeit Verbascum-thapsus-Blätter

Verbascum thapsus entwickelt im ersten Jahr stattliche Blatthorste. Die langen Blätter (bis 40 cm) schimmern zumeist samtig silbriggrau (je nach Licht auch grünlich, graugrün oder blaugrün), denn sie sind über und über flaumig behaart. Wollbienen, Anthidium, benötigen solche "Pflanzenwolle" (die sie mit ihren Mundwerkzeugen abschaben) zum Nestbau. Und trotz der Härchen – man glaubt es kaum – raspeln gelegentlich Schnecken am Laub, allerdings ohne großen Schaden anzurichten.

Verbascum thapsus – Kleinblütige Königskerze, Blütenstand Im zweiten Jahr schiebt sich aus dem Blatthorst der Blütentrieb in die Höhe (in der Regel tatsächlich nur einer pro Pflanze). Im Juli beginnt dann der Blütenmarathon, der bis in den Spätsommer andauert. Verteilt über den ganzen Blütenstand öffnen sich mal hier mal da laufend neue Blüten, während der Blütentrieb selbst immer weiter in die Höhe wächst. Dass eine Einzelblüte nicht länger als einen Tag hält, ehe sie verwelkt, fällt dabei kaum auf. Die Kleinblütige Königskerze respektive ihr abgeblühter Blütenstand soll ja das Orakel schlechthin für das Wetter im kommenden Winter sein. Doch dazu muss man "die Zeichen" erst mal lesen und deuten können. Und natürlich ist Regionalität Voraussetzung: Die Prognose kann nur für das Gebiet gelten, in dem die Königskerze gewachsen ist und geblüht hat.

Verbascum thapsus ist ein Stickstoffzeiger, wächst also vorzugsweise in stickstoffreichem (gut gedüngten Boden). Weitaus wichtiger als die Nährstoffversorgung sind ihm jedoch durchlässiger Boden und ein trockener Standort, gern in der vollen Sonne.

Ob winterhart oder nicht, darüber brauchen wir bei dieser einheimischen Pflanze nicht zu reden. Eher schon über die Selbstaussaat. In Naturgärten ist diese Form des Arterhalts ja erwünscht, in von Gärtnerhand gestalteten Bereichen könnte sie zum Problem werden. Dann bleibt nur der Rückschnitt der verblühten Blütentriebe (abgeschnittene Stängel sind Nisthilfen für Wildbienen). Alternativ können Sämlinge am "falschen Platz" ausgegraben und umgepflanzt werden, solange sie ganz jung sind. Bei älteren Exemplaren geht das wegen ihrer Pfahlwurzel nicht mehr.

Ein Weibchen der Glänzenden Schmalbiene sammelt Pollen an Verbascum chaixii
Ein Weibchen der Glänzenden Schmalbiene sammelt Pollen an Verbascum chaixii

Auch Königskerzen haben unter den Wild­bienen Fans: In den Nestern der Schmal­bienen-Art Lasioglossum nitidulum (Glänzende Schmalbiene) wurde Pollen der Kleinblütigen Königskerze als Larvenproviant gefunden. Bei mir im Garten sammelt die Glänzende Schmalbiene Pollen auch gern an Verbascum chaixii 'Album'. Ganz so wählerisch darf man als Wildbiene halt auch nicht sein. Lasioglossum nitidulum ist aber ohnehin eine flexible Art; belegt sind in ihren Nestern (neben weiteren) Pollen von Aurinia saxatilis (Felsen-Steinkresse), Campanula poscharskyana (Hänge-Polster-Glockenblume), Clinopodium nepeta (Kleinblütige Katzenminze) und Salvia nemorosa (Steppen-Salbei, Hain-Salbei), Jasione laevis (Ausdauerndes Sandglöckchen) und Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf).

Mit so vielen verschiedenen Pflanzenarten lässt sich im Garten einiges anstellen und der Tisch für diese und andere Bienen-Arten reich decken. Denn es gilt stets: Auf die Menge kommt es an! Nur wenn viele potenzielle Pollenlieferanten zur Verfügung stehen, ist an Nestbau zu denken. Die Glänzende Schmalbiene gräbt ihre Nistgänge selbst, bevorzugt vertikal in Trockenmauern oder Fugen zwischen Gestein (Steinhänge- oder wände etwa). Und sie scheut auch menschliche Siedlungen nicht. Im Gegenteil: Es wurden Nester dieser Art in Balkonkästen gefunden.

Ab Ende März/Anfang April sind überwinterte begattete Weibchen der Glänzenden Schmalbiene unterwegs, machen sich an den Nestbau und legen Eier, um nach vollbrachter Tat zu sterben. Die Männchen der neuen Generation (es gibt nur eine pro Jahr) Lasioglossum nitidulum fliegen dann ab Juli, wenig später erscheinen die Weibchen. Männchen der neuen Generation sterben im Spätsommer nach der Paarung und wieder überwintern nur begattete Weibchen. Bis in den Oktober hinein sind sie jedoch vor allem beim Nektartanken zu beobachten.

Verbascum thapsus – Kleinblütige Königskerze

Wuchshöhe: bis 250 cm
Blütenfarbe: gelb
Blütezeit: Juni, Juli, August, September
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenverhältnisse: trocken-frisch
Verwendung: Solitärpflanze
Hinweis: einheimische zweijährige Pflanze; Staunässe vermeiden


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