Sedum rupestre – Felsen-Fetthenne, Felsen-Mauerpfeffer, Tripmadam, Nickendes Fettblatt
Synonym: Sedum reflexum


(Pflanzenfamilie: Crassulaceae – Dickblattgewächse)

Die gute alte Tripmadam. Schon unsere Urgroß­mütter wussten das in Mittel­europa (unter anderem) einheimische Kraut als Gewürz­pflanze einzu­setzen, zum Beispiel in Suppen oder Salaten; verwendet wurden und werden die (jungen) Blätter und Spross­spitzen.

In unserem Garten führen die grün(braun)en Walzen (selten blaugrün oder graugrün) von Sedum rupestre ein eher unbeachtetes Dasein. Sie füllen Hangflorsteine beim Haus und haben sich als Bodendecker zwischen Gehölzen ausgebreitet (wo sie bei Pflegearbeiten zum Teil achtlos ausgerissen werden). Das zeugt schon davon, wie robust, ausdauernd und anpassungs­fähig die Tripmadam ist.

Dabei hat sie noch viel mehr zu bieten. Sedum rupestre ist immer­grün und seine Blüten warten mit einer Besonder­heit auf, die man im Stauden­reich lange suchen muss: Die Blüten­spitzen sind stark nach innen gebogen und geben den gold­gelben Blüten­köpfen ein fast kugeliges Aussehen. In knospigem Zustand sind die Blütenköpfe oder Blütenstände der Tripmadam übergeneigt, hängend also.

Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne, Tripmadam) – Blüten
Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne, Tripmadam) – Blüten

Zwei Dinge sollten Sie bei der Wahl des Standortes für die Felsen-Fetthenne jedoch berücksichtigen: Je weniger Sonne sie abbekommt, desto weniger kompakt wächst die Pflanze und die Blüte fällt in manchen Jahren ganz aus. Sedum rupestre darf zudem im Herbst und Winter nicht unter herabgefallenen Blättern oder umgeknickten Trieben von Stauden und Gräsern "begraben" sein. Schließlich ist es auch im Winter grün und braucht Licht zum Leben. Natürlich kann man da als Gärtner helfend eingreifen und das Laub beseitigen, falls die Tripmadam nahe bei Bäumen steht, bloß daran denken muss man halt, auch wenn's draußen kalt ist, stürmt und regnet.

Spalten-Wollbiene (Anthidium oblongatum, Weibchen) auf Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne, Tripmadam)
Spalten-Wollbiene (Anthidium oblongatum, Weibchen) auf Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne, Tripmadam)

Die Vermehrung ist bei Sedum rupestre kein Thema: Für die sogenannte Sprossen­saat (häufig bei der Dach­begrünung praktiziert) werden einfach Teilstücke/Triebe der Mutter­pflanze abgetrennt (abgerissen oder abge­schnitten) und dorthin gestreut, wo man die neuen Pflanzen haben möchte; sie wurzeln von selbst.

Und die Pflege? Ebenfalls kein Thema. Sehr ordentliche Gärtner werden aber vielleicht die verblühten Blütentriebe abschneiden. Doch lassen Sie sich mit diesem Rückschnitt ruhig Zeit, bis die Tripmadam auch wirklich verblüht ist, denn 16 Wildbienen-Arten sammeln deren Pollen, um die Nester damit zu befüllen und die Larven zu versorgen. Es könnte ja sein, dass eine oder mehrere dieser Bienen-Arten nahe Ihres Gartens vorkommen! Wer sich über diese faszinierenden Insekten näher informieren möchte, dem lege ich meinen Artikel Wildbienen im Stauden-Garten ans Herz.

Sedum rupestre – Felsen-Fetthenne, Tripmadam, junge Triebe und Blütentriebe
Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne, Tripmadam) – Triebe mit hängenden Knospen

Gut zu wissen: Im Handel wird statt der echten Tripmadam (Sedum rupestre) häufig ein anderes Fettblatt angeboten – aber ebenfalls unter den deutschen Namen Tripmadam oder Nickendes Fettblatt und dem botanischen Sedum rupestre. Achten Sie deshalb auf die Knospen, wenn Ihre Tripmadam Blütentriebe in die Höhe schiebt, wenn Sie prüfen wollen, ob sie die richtige im Garten haben. Nur wenn die Blütenstände (Knospen) vor dem Aufblühen hängen, also "nicken", ist das Sedum rupestre ein Sedum rupestre. Das ist das sichere Erkennungszeichen der echten Tripmadam.

Sedum rupestre – Felsen-Fetthenne, Felsen-Mauerpfeffer, Tripmadam, Nickendes Fettblatt
Wuchshöhe: 15-35 cm
Blütenfarbe: gelb
Blütezeit: Juni, Juli
Lichtverhältnisse: sonnig-halbschattig
Bodenfeuchtigkeit: trocken
Verwendung: extensive Dachbegrünung
Hinweis: einheimische, immergrüne Heil- und Gewürzpflanze; Pollenpflanze für Wildbienen (16 Bienen-Arten)

Wann ist eine Tripmadam eine Tripmadam?

Unter den Namen Nickendes Fettblatt, Tripmadam, Felsen-Fetthenne, Felsen-Mauerpfeffer und botanisch Sedum rupestre sowie Sedum reflexum wird ein Sammelsurium an Pflanzen angeboten – in Online-Shops wie in Garten-Centern, Baumärkten und Supermärkten.

Die falsche Tripmadam mit dicken, graublauen Walzentrieben
Die falsche Tripmadam mit dicken, graublauen Walzentrieben

Bei Online-Shops zeigt ein Blick auf die veröffentlichten Bilder oft schon, dass das Nickende Fettblatt kein nickendes Fettblatt ist, weil seine Knospen aufrecht stehen und nicht nach unten gebogen sind (hängen oder "nicken"), wie das beim echten Nickenden Fettblatt, der Tripmadam, der Fall ist.

Bei den meisten solcher Tripmadam-ähnlichen Pflanzen dürfte es sich um die Art Sedum montanum (Berg-Fetthenne; botanisch auch: Sedum rupestre subsp. erectum, Sedum pseudomontanum, Petrosedum montanum und sicher noch weitere; die genaue botanische Zuordnung scheint ungeklärt) handeln, die schon früher zuhauf als Garten-Tripmadam oder ‑Fettblatt angeboten und unter die Leute gebracht wurde. (Unter dem Namen Berg-Fettblatt oder ‑henne werden allerdings auch ganz andere Sedum-Arten verkauft, die mit Sedum montanum nichts zu tun haben!)

Die echte Tripmadam (grünliche Triebe) und die falsche (blaugraue Triebe)
Die echte Tripmadam (grünliche Triebe) und die falsche (blaugraue Triebe)

Und nochmals allerdings: Den deutschen Namen Nickendes Fettblatt hat man auch dem Sedum forsterianum verpasst, das – wie Sedum montanum – zur Artengruppe von Sedum rupestre (der echten Tripmadam) gehört. Bei diesem Durcheinander mit dem deutschen Namen Nickendes Fettblatt auf Einkaufstour zu gehen, erscheint etwas gewagt.

Macht das was, wenn die Tripmadam keine Tripmadam ist? – Das kommt darauf an. Wer zum Beispiel Wert darauf legt, dass das, was in seinem Garten wächst, in Deutschland einheimisch ist, der will Sedum reflexum (fast in ganz Europa einheimisch, auch in Deutschland) haben und nicht etwas sehr Ähnliches, das jedoch nicht einheimisch ist (Sedum montanum etwa kommt in Italien, Frankreich und im Gebiet, das früher Jugoslawien als Ganzes bezeichnet hat, natürlich vor).

Die falsche Tripmadam
Die falsche Tripmadam

Hinzu kommt: Wenn man die Tripmadam in der Küche verwenden und essen will, sollte schon sichergestellt sein, dass man genau die Art bekommt, die man in der Küche und zum Kochen möchte. Sedum montanum, das Garten-Fettblatt (kaum einer nennt sie mehr so, es gibt offiziell fast nur noch die "echte" Tripmadam), dürfte zwar – wegen der engen Verwandtschaft zu Sedum rupestre – ebenso verwendet werden können, aber weiß man's genau?

Die echte Tripmadam (hängende Knospen) und die falsche (stehende Knospen)
Die echte Tripmadam (hängende Knospen) und die falsche (stehende Knospen)

Wenn die Pflanzen "nur" in den Garten sollen, spielt es sicher keine so große Rolle, falls doch nicht die "echte" Tripmadam geliefert oder nach Hause getragen wurde. Schlimmstenfalls finden ein paar weniger Insekten Gefallen an ihr oder die Pflanze wirkt halt etwas klobiger (und ist wüchsiger) als man sich das vorgestellt hat, das ist zu verschmerzen. Denn im Prinzip können Sie die beiden nur unterscheiden, wenn Sie Pflanzen von beiden Arten vor sich haben. Dann sehen Sie, dass die Blattwalzen und Blätter von Sedum montanum größer und derber sind als die von Sedum rupestre. Und sie sind immer blaugrau, wogegen die der echten Tripmadam meist grün(braun) sind und nur selten (grau)blau. Hauptunterscheidungsmerkmal sind jedoch die Blütenstände in knospigem Zustand: sie hängen bei der echten Tripmadam und stehen bei der Garten-Tripmadam (oder wie immer sie gerade genannt werden mag). Hier braucht es also kein Gefühl und keine Vermutungen, das ist was Handfestes.

Ich finde es einfach ärgerlich, wenn Pflanzen angeboten und verkauft werden, nur um des Verkaufens willen. Ich stelle in diesem Zusammenhang mal den Begriff "Berufsehre" in den Raum. Gehört dieser Begriff zu den untergegangenen Wörtern? Dann ist wohl auch seine Bedeutung untergegangen.


Mehr Fetthenne-Arten im Kurzporträt
Alle Sedum-Arten (22) auf einer Seite:
Sedum – Fetthenne, Mauerpfeffer, Fettblatt
Nur zu einer Sedum-Art
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Sedum album Weißer Mauerpfeffer, Weiße Fetthenne
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Sedum kamtschaticum (auch: Phedimus kamtschaticus) Kamtschatka-Fetthenne
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Sedum populifolium (auch: Hylotelephium populifolium) Pappelblättrige Fetthenne, Pappelblättriges Fettblatt
Sedum rupestre, Synonym Sedum reflexum Felsen-Fetthenne, Tripmadam
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Sedum sieboldii (auch: Hylotelephium sieboldii) Oktober-Fettblatt
Sedum spathulifolium Colorado-Fetthenne
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Sedum spurium (auch: Phedimus spurius) Kaukasus-Fetthenne, Teppich-Fettblatt
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