Campanula bononiensis (Bologneser Glockenblume)
So kurzlebig, wie oft angegeben, ist die Bologneser Glockenblume gar nicht. Daher frage ich mich, weshalb diese hübsche, unkomplizierte Art in den (Stauden-)
Mit der Bezeichnung als Unkraut tut man Campanula bononiensis allerdings mehr als Unrecht, sie ist weit davon entfernt, im Garten lästig zu werden oder mit einem grausligen Habitus den sorgsam ausgedachten und angelegten Garten- oder Beet-Rhythmus zu (zer-)stören. Im Gegenteil: Aufgeräumter und ordentlicher kann eine Staude kaum wirken.
Campanula bononiensis (Bologneser Glockenblume) – Austrieb
In Fachkreisen ist man sich wirklich nicht einig, wie Campanula bononiensis denn nun einzuordnen ist: ausdauernd oder kurzlebig (vielleicht eh bloß zweijährig)? Bei Pflanzen mit so weitem Verbreitungsgebiet wie dem ihren – von Europa bis hinüber nach West-Sibirien und Zentral-Asien – ist es normal, dass sich die verschiedensten Typen entwickeln, unter denen langlebige ebenso vorkommen wie kurzlebige. Alles hängt also davon ab, von welcher Sippschaft die Pflanze (oder das Saatgut) abstammt, die man im Garten ansiedelt; meine Pflanzen waren jedenfalls nicht nach zwei, drei Jahren vom ursprünglichen Pflanzplatz verschwunden. Das äußere Erscheinungsbild haben sie immerhin alle gemeinsam: Die Blüten stehen in kleinen Büscheln zu zweien oder dreien, mitunter auch einzeln an hohen, schwach beblätterten Stängeln (die Blätter werden von unten nach oben kleiner), immer schön straff aufrecht.
Campanula bononiensis (Bologneser Glockenblume) – Blüten
Gibt es denn wenigstens ordentlich Sämlinge durch Selbstaussaat? Nö, auch da hat mir die Bologneser Glockenblume einen Strich durch die (Wildstauden-)
"Untenrum" etwas mau: Campanula bononiensis (Bologneser Glockenblume)
Bei allem Lob für ihren stabilen Wuchs will ich aber nicht verschweigen, dass die Bologneser Glockenblume ansonsten eine recht "klapprige" Gestalt ist: Die Blütentriebe entspringen einer unauffälligen Blattrosette am Boden, deren Blätter zur Blüte meist schon eingezogen sind (oder vertrocknet, wie bei mir oft). Den hohen Blütentrieben (sie werden bei mir wider Erwarten weit über einen Meter hoch) fehlt es dadurch – trotz ihrer Blätter – im unteren Bereich an "Masse", die was hermacht ("dichtbuschig" sieht anders aus). Diese Glockenblume sollte deshalb stets mit anderen Pflanzen kombiniert und in eine Staudengesellschaft integriert werden, die dieses "Staksige" kaschiert.
Campanula bononiensis (Bologneser Glockenblume) mit Gaura lindheimeri (Prachtkerze)
An manchen Stellen ist mir das mit (zum Teil höher wachsenden) Pflanzpartnern wie Baptisia australis var. minor (Kleine Indigolupine), Gaura lindheimeri (Prachtkerze) und Sorghastrum nutans (Goldbartbras) ganz gut gelungen, an anderen muss ich noch daran arbeiten. Mir schweben da etwas üppigere Begleitstauden mit um die 50‑70 cm Gesamthöhe vor wie Salvia officinalis (Echter Salbei) oder Salvia lavandulifolia (Spanischer Salbei), Geranium x magnificum (Pracht-Storchschnabel) und Galatella sedifolia (Ödlandaster, Sedumblättrige Aster) oder Galatella linosyris (Goldhaaraster). Die beiden Salbei-Arten würden mit ihrem grauen Laub vielleicht am besten mit dem graugrünen der Campanula bononiensis harmonieren.
Und sonst? Vergesst den Dünger sowie die Gießkanne. Campanula bononiensis braucht stickstoffarmen, dafür kalkhaltigen Boden – sandig oder lehmig –, und es ist selten, dass es dieser Glockenblume mal zu trocken wird. Wenn sie sich's aussuchen könnte, stünde die Bologneser Glockenblume lieber im Halbschatten als zu sonnig. Und wenn sie sich's nicht aussuchen kann, gedeiht sie auch in leicht saurem Boden wie in meinem Garten.
Chelostoma rapunculi im Anflug auf Campanula bononiensis
Wildbienen? – Ja, sogar vier Stück, die auf Glockenblumen-Pollen für ihre Larven angewiesen sind (streng oligolektische Arten) und dabei – wissenschaftlich belegt – auch Pollen der Bologneser Glockenblume sammeln: Chelostoma campanularum (Kleine Glockenblumen-Scherenbiene), Chelostoma rapunculi (Glockenblumen-Scherenbiene), Chelostoma distinctum (noch eine Scherenbiene) und Melitta haemorrhoidalis (Glockenblumen-Sägehornbiene); mehr über diese Bienen unter Campanula und Wildbienen.
Campanula bononiensis ist im nordöstlichen Viertel Deutschlands einheimisch. Wie lange noch, muss man sich ernsthaft fragen, denn die Tendenz ist erschreckend: Die natürlichen Bestände nehmen kontinuierlich ab, sind stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Deshalb: Öfter in die Gärten mit ihr!
| Wuchshöhe: | 80-140 cm |
| Blütenfarbe: | hell blauviolett |
| Blütezeit: | Juni, Juli, August |
| Lichtverhältnisse: | sonnig-halbschattig |
| Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
| Verwendung: | |
| Hinweis: | einheimische Staude; kalkhaltiger Boden; Pollenpflanze für Wildbienen |